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  • Heulage - zwischen Heu und Silage

    Heulage wird in der Pferdefütterung immer häufiger eingesetzt – oft aus praktischen Gründen oder weil staubfreies Raufutter benötigt wird. Gleichzeitig sorgt sie immer wieder für Unsicherheit. Um beurteilen zu können, ob Heulage für ein Pferd geeignet ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. ________________________________________ *Was ist Heulage?* Heulage ist konserviertes Gras, das nicht vollständig getrocknet wird wie Heu, sondern nur angewelkt. Anschließend wird es luftdicht verpackt. Durch den Sauerstoffabschluss kommt es zu einer milden Milchsäuregärung, die das Futter haltbar macht. Damit liegt Heulage in ihrer Herstellung und Zusammensetzung zwischen Heu und Silage. ________________________________________ *Wie wird Heulage hergestellt?* Für eine stabile, hygienische Heulage müssen mehrere Faktoren zusammenpassen: • Das Gras wird meist früher geschnitten als Heu. Es ist dadurch jünger, eiweiß- und zuckerreicher und weniger verholzt. • Nach dem Schnitt wird das Gras 24–48 Stunden angewelkt, bis etwa 45–60 % Trockenmasse erreicht sind. (Ist die Restfeuchte zu hoch, entsteht Silage; ist sie zu gering, kommt die Gärung zum Stillstand und das Schimmelrisiko steigt.) • Anschließend wird es stark gepresst, um den Sauerstoffgehalt zu minimieren, und mehrlagig luftdicht gewickelt. • In der geschlossenen Umgebung beginnen natürlich vorkommende Milchsäurebakterien, pflanzeneigene Zucker zu Milchsäure zu vergären. Der pH-Wert sinkt, was für die Selbstkonservierung des Futters entscheidend ist. • In bestimmten Situationen (z. B. zuckerarmes Gras, problematische Witterung oder suboptimaler Feuchtegehalt) werden zusätzlich Milchsäurebakterien aufgesprüht. 👉 Milchsäure wird nicht zugesetzt, sie entsteht im Gärprozess und gelangt mit der Heulage auch in den Verdauungstrakt des Pferdes. ________________________________________ *Häufige Fehler in der Praxis* Probleme entstehen meist durch Details in der Herstellung oder im Umgang: • zu feuchtes oder sehr junges Erntegut • Erde, Kot oder Tierkadaver im Gras • zu wenige Folienlagen oder beschädigte Wicklung (z. B. durch Vögel auf den Ballen, Katzen oder Marder, unsachgemäße Lagerung oder Transport) • zu lange Lagerung nach dem Öffnen des Ballens 👉 Heulage sollte nach dem Öffnen im Sommer innerhalb von 24–48 Stunden, im Winter innerhalb von maximal 2–4 Tagen verfüttert werden. Viele dieser Fehler sind nicht immer sichtbar oder riechbar, können aber die mikrobielle Qualität deutlich verschlechtern. ________________________________________ *Unterschied zu Heu* Heu wird vollständig getrocknet und nicht fermentiert. Es enthält keine Gärsäuren und ist in der Handhabung deutlich robuster. Heulage dagegen: • ist feuchter • enthält Gärprodukte • wird durch Gärung weicher und strukturell weniger wirksam – bei frühem Schnitt besonders ausgeprägt Das bedeutet: Zwei Futtermittel können auf dem Papier ähnliche Rohfaserwerte haben, wirken im Pferd jedoch sehr unterschiedlich. ________________________________________ *Was passiert im Verdauungssystem des Pferdes, wenn Heulage gefressen wird?* Kauen und Speichelbildung Heulage ist weicher und feuchter als Heu und wird daher meist weniger intensiv gekaut. Weniger Kauen bedeutet weniger Speichel – und damit weniger natürliche Pufferung. Speichel ist beim Pferd der wichtigste Schutz vor Säurebelastung, da er den Mageninhalt abmildert. Im Magen Der Pferdemagen arbeitet dauerhaft sauer. Mit Heulage gelangen zusätzlich Milchsäure und andere Gärprodukte in den Magen. Das kann die Säurebelastung erhöhen, insbesondere wenn Heulage: • nüchtern gefüttert wird • in großen Einzelmengen oder dauerhaft (z. B. 24/7) zur Verfügung steht Empfindliche Magenschleimhäute können dadurch schneller gereizt werden. Im Dünndarm Der Dünndarm ist für die enzymatische Verdauung ausgelegt, nicht für Gärprozesse. Gelangen größere Mengen an Gärsäuren oder leicht fermentierbaren Bestandteilen weiter, kann dies: • die Verdauung beschleunigen • Wasser in den Darm ziehen • zu weicherem Kot beitragen Im Blind- und Dickdarm Hier liegt der entscheidende Unterschied zu Heu. Heu wird im Dickdarm langsam und gleichmäßig fermentiert – die Darmflora ist auf diese Arbeitsweise ausgelegt. Heulage bringt bereits vorfermentierte Bestandteile mit. Dadurch kann es zu einer Verschiebung im Mikrobiom kommen: • faserabbauende Bakterien nehmen ab • milchsäurebildende Keime können zunehmen • der pH-Wert im Dickdarm kann sinken Mögliche Folgen sind: • Gasbildung • Kotwasser • Bauchspannung • eine schleichende Übersäuerung Bei längerer Belastung können auch Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse begünstigt werden. Pferde sind keine Wiederkäuer. Sie besitzen keinen vorgeschalteten Pansen, der Gärsäuren abfangen kann. Die Fermentation findet erst im Blind- und teilweise im Dickdarm statt. Dafür benötigen sie ausreichend Struktur – keine dauerhaft weichen, vorfermentierten Fasern. Zusätzlich birgt Heulage im Vergleich zu Heu ein deutlich höheres Botulismus-Risiko, da feuchte, sauerstoffarme Bedingungen im Ballen die Toxinbildung begünstigen, während trockenes, belüftetes Heu dieses Risiko nahezu ausschließt. ________________________________________ *Wie ist das mit Heulageproben aus dem Labor?* Heulageproben können sich verändern, wenn sie nach der Entnahme weiter Luft und Wärme ausgesetzt sind. Wichtig ist daher: • Proben luftdicht zu verpacken • möglichst gekühlt zu lagern • zügig zu versenden (nicht vor Wochenenden) Werden diese Punkte eingehalten, sind Laboranalysen aussagekräftig. Besonders empfindlich reagieren Zucker- und Gärsäurewerte, während Strukturparameter (z. B. NDF, ADF) stabil bleiben. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht primär im pH-Wert, sondern in: • Milchsäuregehalt • Essigsäure- und Buttersäureanteilen • Hefen und Keimen • Struktur (NDF, ADF, Lignin) • Fermentierbarkeit im Dickdarm 👉 Zwei Futtermittel mit gleichem pH-Wert können im Pferd völlig unterschiedlich wirken. ________________________________________ *Fazit* Heulage bringt Gärung ins Pferd, bevor das Pferd selbst fermentiert. Das Verdauungssystem kann damit umgehen, muss dafür jedoch deutlich mehr Anpassungsarbeit leisten als bei Heu – was insbesondere für stoffwechselbelastete Pferde relevant ist. Stoffwechselbelastungen zeigen sich häufig erst spät in Form von Erkrankungen oder Symptomen; bis dahin ist im Körper oft bereits viel aus dem Gleichgewicht geraten. Selbst nach dem Öffnen lässt sich die Qualität von Heulage meist nur optisch und geruchlich beurteilen, während kritische Parameter wie Gärsäuren, Keimzahlen oder Toxinrisiken dabei nicht zuverlässig erkennbar sind – im Gegensatz zu Heu, bei dem Verderb oder Schimmel in der Regel deutlich sichtbar wird. *Heu unterstützt die natürliche Verdauungsphysiologie des Pferdes.* *Heulage fordert sie.* ________________________________________ *P.S.: Die Wahl zwischen Pest und Cholera?* • 👉 Zwischen schlechtem Heu und guter Heulage ist Heulage die sicherere Wahl. • 👉 Zwischen gutem Heu und Heulage ist Heu immer überlegen. • 👉 Gutes Heu ist die Basis einer artgerechten Pferdefütterung und damit entscheidend für Gesunderhaltung und langfristige Stabilität.

  • 🌿 Grünhafer – unterschätzter Baustein in der Pferdefütterung

    Grünhafer wird häufig mit klassischem Hafer gleichgesetzt – dabei handelt es sich um ein völlig anderes Futtermittel. Während Hafer als energiereiches Getreidekorn bekannt ist, wird Grünhafer aus der Pflanze Avena sativa vor der Kornreife geerntet . --> Es entstehen also gar keine stärkehaltigen Körner, sondern es wird die gesamte Pflanze genutzt. Genau darin liegt sein großer Vorteil: Die Energie wird überwiegend über Eiweiß und Faserstrukturen bereitgestellt und nicht über Stärke . Dadurch belastet Grünhafer den Stoffwechsel deutlich weniger und liefert eine gleichmäßigere, „ruhigere“ Energie. Trotz seines hohen Faseranteils ist er keineswegs energiearm, sondern bewegt sich mit etwa 11–13 MJ/kg Trockenmasse im Bereich klassischer Kraftfuttermittel. Durch seinen hohen Celluloseanteil wird Grünhafer überwiegend im Dickdarm verdaut , was ihn besonders magenfreundlich macht. Im Gegensatz zu stärkehaltigem Getreide entstehen im Magen und Dünndarm weniger Gärungsprozesse – das Risiko für Gase, Übersäuerung oder daraus resultierende Probleme wie --> Koliken oder Magengeschwüre ist deutlich reduziert.   Auch oder vor allem für Pferde mit empfindlichem Stoffwechsel bietet Grünhafer daher eine sinnvolle Alternative. Durch den niedrigen Zucker- und Stärkegehalt eignet er sich ebenfalls für Pferde mit Insulinresistenz, EMS-Tendenzen, Hufrehe-Risiko oder Darmdysbiosen . Gleichzeitig liefert er wertvolle Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium sowie Kieselsäure, die unterstützend auf Bindegewebe, Sehnen und Bänder wirken kann. In seiner Einordnung ist Grünhafer eine Art „Mittelweg“: Er vereint die Struktur eines Raufutters mit der Nährstoffdichte eines Kraftfutters und ist damit eher mit der Esparsette vergleichbar. Wichtig ist jedoch, dass er nicht als Ersatz für Heu , sondern als gezielte Ergänzung eingesetzt wird. Ein entscheidender Punkt ist die Qualität: Wird Grünhafer zu spät geerntet, steigen Zucker- und Stärkegehalt deutlich an – und genau dann verliert er seine Vorteile und kann insbesondere für stoffwechselempfindliche Pferde problematisch werden. 📊 Grünhafer auf einen Blick Bereich Grünhafer – kurz zusammengefasst Herkunft Ganze Pflanze vor Kornreife geerntet Energiequelle Eiweiß & Faser (kaum Stärke) Energiegehalt ca. 11–13 MJ/kg TM Verdauung überwiegend im Dickdarm Wirkung stoffwechselschonend, magenfreundlich geeignet für Alle Pferde – auch bei EMS, IR, Hufrehe, Darmprobleme Besonderheiten hoher Faseranteil + dennoch energiereich Mineralstoffe Ca, Mg, K, Kieselsäure Einordnung zwischen Raufutter & Kraftfutter Fütterung Ergänzung zum Heu, kein Ersatz Achtung Erntezeitpunkt entscheidend ✨ Fazit Grünhafer ist kein klassisches Kraftfutter und auch kein reines Raufutter – sondern ein durchdachter Baustein für mehr Stabilität im System. Besonders bei Pferden, die stoffwechseltechnisch „aus der Balance geraten“, kann er eine ruhige, aber wirkungsvolle Unterstützung bieten.

  • 🌿 Animera No. 1 & No. 2 – Mineralstoffversorgung neu gedacht

    Wenn „eigentlich alles passt“ – und trotzdem nicht Viele Pferde wirken auf den ersten Blick gut versorgt: ausreichend Futter, Bewegung, Pflege. Und trotzdem zeigt sich immer wieder: sie sind nicht ganz belastbar sie haben „immer mal wieder etwas“ sie kommen nicht richtig in ihre Stabilität Oft fehlt der klare Ansatzpunkt. Ein Bereich, der dabei häufig übersehen wird:👉 die Mineralstoffversorgung. Mehr als nur „Versorgung“ Mineralstoffe sind an nahezu allen Prozessen im Körper beteiligt: Stoffwechsel Nerven Muskulatur Immunsystem Die Frage ist jedoch nicht nur: Was wird gefüttert? Sondern vielmehr:👉 Was kommt im Körper wirklich an? Ein anderer Ansatz mit Animera Animera No. 1 und No. 2 verfolgen bewusst einen anderen Weg. 👉 Während klassische Mineralfutter sich an berechneten Bedarfswerten orientieren, basiert Animera auf natürlichen, komplexen Nährstoffquellen. Dazu gehören u. a.: Heu als Trägerstoff Gräser wie Weizen- oder Gerstengras Moor Algen (Spirulina, Ascophyllum nodosum) Ackerschachtelhalm Beeren und Samen Diese liefern Mineralstoffe nicht isoliert, sondern eingebunden in natürliche Strukturen. Warum das entscheidend sein kann Gerade bei Pferden mit wiederkehrenden oder unklaren Themen zeigt sich häufig: 👉 Es fehlt nicht unbedingt an „Menge“ –sondern an Verwertbarkeit und Regulation . Natürliche Nährstoffquellen können hier unterstützen, weil sie dem entsprechen, was der Organismus ursprünglich kennt. 👉 Der Fokus liegt daher nicht auf einzelnen Werten, sondern auf der Frage: Wie stabil arbeitet das System insgesamt? Ein bewusster Umgang mit Mineralfutter Es geht nicht darum, synthetische Mineralstoffe grundsätzlich auszuschließen. Sie können sinnvoll sein – vor allem dann, wenn gezielt ein Mangel ausgeglichen werden muss. Gleichzeitig zeigt die Praxis: Viele Tiere erhalten dauerhaft standardisierte Mineralstoffgaben, ohne dass die individuelle Situation berücksichtigt wird. 👉 Genau hier setzt ein anderer Blickwinkel an: So viel wie nötig – aber so natürlich wie möglich. Wann Animera besonders sinnvoll sein kann bei Pferden mit „immer wieder etwas“ bei unspezifischen Stoffwechselthemen in Umstellungsphasen als Grundlage einer bewussten, natürlichen Fütterung Einfach in der Anwendung 👉 Animera kann problemlos auch als Leckerli gefüttert werden. Das macht die Umsetzung: unkompliziert stressfrei alltagstauglich Was sich verändern kann Mit der Zeit zeigt sich bei vielen Tieren: mehr Stabilität im Stoffwechsel bessere Belastbarkeit weniger „kleine Baustellen“ Nicht über Nacht –sondern Schritt für Schritt. 👉 Genau so entsteht nachhaltige Gesundheit. Fazit Animera ist kein „klassisches“ Mineralfutter im üblichen Sinne. 👉 Es ist ein Ansatz, der den Fokus verschiebt: weg von der reinen Versorgung – hin zur Unterstützung des gesamten Systems. Denn am Ende entscheidet nicht, was im Futter enthalten ist, sondern was der Körper daraus machen kann. 👉 Du möchtest wissen, ob Animera zu deinem Tier passt? Ich schaue mir die Situation individuell an und gebe dir eine ehrliche Einschätzung, ob und wie eine Unterstützung sinnvoll ist.

  • PPID, (Pseudo-)Cushing oder Stoffwechselproblem?

    Was du wirklich wissen solltest – eine leicht verständliche Kurzfassung Wenn Pferde Symptome wie hartnäckige Hufrehe, häufige Hufgeschwüre, langes Fell, Müdigkeit, Leistungsabfall oder unerklärlichen Muskelrückgang zeigen, fällt der Verdacht schnell auf „Cushing“. Meist wird dann der ACTH-Wert (Adrenocorticotropes Hormon) bestimmt – und nicht selten direkt Prascend empfohlen. Doch hinter diesen Symptomen steckt weit mehr, als ein einzelner Blutwert vermuten lässt. 1. Früher „Cushing“ – heute PPID. Was ist PPID eigentlich? Der Begriff „Cushing“  wurde früher aus der Humanmedizin übernommen, beschreibt beim Menschen jedoch ein ganz anderes Krankheitsbild: ein tatsächliches Cortisolüberschuss-Syndrom. Beim Pferd liegt jedoch kein typisches Cushing vor. Statt dauerhaft erhöhtem Cortisol findet man vielmehr eine Funktionsstörung der Pars intermedia in der Hirnanhangsdrüse. Genau das beschreibt der moderne Begriff PPID – Pituitary Pars Intermedia Dysfunction .PPID benennt also präzise den betroffenen Teil der Hypophyse und die dort entstehende Fehlregulation. Daher wird der Ausdruck „Cushing“ heute als ungenau angesehen und zunehmend durch die korrekte Bezeichnung PPID ersetzt – sowohl in der Wissenschaft als auch in der tierärztlichen Praxis. PPID entsteht, wenn ein Bereich der Hirnanhangsdrüse (Pars intermedia) zu viel ACTH  produziert. Der Grund kann eine altersbedingte, neurodegenerative Veränderung (Dopaminverlust), Hyperplasie (Gewebevermehrung) oder ein gutartiger Tumor (Adenom, entartete Hyperplasie, selten!) sein. Wichtig zu wissen: Eine sichere Diagnose einer der 3 Gründe ist nur post mortem, also mittels Obduktion  nach dem Tod möglich. Zu Lebzeiten kann man PPID nur vermuten , aber nicht 100 % beweisen. 2. Der ACTH-Wert – kein eindeutiger Test Fast jede wichtige Drüse, insbesondere die hormonproduzierenden Drüsen (endokrine Drüsen), sind durch Rückkopplungsmechanismen gesteuert. So registriert die Hypophyse beispielsweise den Cortisolgehalt und steuert somit die Ausschüttung des ACTH.→ Hypophyse misst Cortisol und reguliert die Produktion/Ausschüttung von ACTH→ Nebennierenrinde misst ACTH und reguliert die Produktion/Ausschüttung von Cortisol Liegt nun tatsächlich eine Gewebevermehrung/-veränderung an der Hypophyse vor, produziert dieses veränderte Gewebe ebenfalls ACTH, wird aber nicht über die körpereigene Rückkopplung reguliert (da die veränderten Zellen nichts „messen“) und schüttet dauerhaft weiter aus. Auch wenn dadurch vermehrt Cortisol aktiviert wird, konnte ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel im Blut bisher nicht nachgewiesen werden – lediglich die über den Tag natürlich auftretenden Cortisolspitzen häufen sich. Bei der häufigsten Form der PPID handelt es sich jedoch nicht um ein Tumorwachstum, sondern um neurodegenerative Veränderungen : Dabei gehen hemmende dopaminerge Nervenzellen verloren, sodass die Pars intermedia der Hypophyse zunehmend unkontrolliert arbeitet und überschießend ACTH freisetzt. Das ACTH schwankt natürlicherweise stark und die Hypophyse reagiert sensibel auf Stress. Der ACTH-Wert steigt z. B. an bei: Fellwechsel, zu langen Futterpausen, Schmerzen, Hitze oder Kälte, Störung der Thermoregulation, Stoffwechselstörungen, Magenproblemen, Überforderung bei der Arbeit, Aufregung (Tierarzt, Blutabnahme, Herde). Ein einzelner Wert kann deutlich zu hoch oder falsch normal sein. Deshalb gilt heute:👉  ACTH allein reicht nicht für eine PPID-Diagnose. 3. Pseudo-Cushing – der große Doppelgänger Die aktuelle Forschung zeigt klar:👉  Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen PPID und Stoffwechselproblemen. Viele Symptome, die wie PPID aussehen, entstehen durch Stoffwechselstörungen , z. B.: Insulinresistenz (IR), Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Übergewicht oder versteckter Körperfettanteil, zu lange Fresspausen, schlechtes Raufutter, Mykotoxine, Darmdysbiosen, Leber- und Nierenbelastung, chronische Schmerzen oder Stress. Diese Faktoren beeinflussen ACTH, Cortisol und die Funktion der Hypophyse. In vielen Fällen können PPID-ähnliche Symptome allein durch Stoffwechseltherapie  verschwinden. 4. Prascend (Pergolid) – woher kommt es, was kann es und was nicht Prascend enthält den Wirkstoff Pergolid, einen Dopamin-Agonisten, der ursprünglich aus den Alkaloiden des Mutterkornpilzes gewonnen wurde. Mutterkorn ist historisch gut dokumentiert: Bereits im Mittelalter wurde beschrieben, dass mit Mutterkorn befallenes Getreide beim Menschen schwere Vergiftungen, Krämpfe sowie Wehen oder Fehlgeburten auslösen kann. Die pharmakologisch wirksamen Alkaloide wirken im Körper stark auf das Nervensystem ein – daher stammt auch der Name „Mutterkorn“. Pergolid wurde zunächst in der Humanmedizin zur Behandlung von Parkinson eingesetzt, da es dem Körper Dopamin vortäuschen kann – ein zentraler Botenstoff zwischen Nervenzellen, der unter anderem Bewegungsabläufe und emotionale Stabilität reguliert. Aufgrund schwerer Nebenwirkungen, darunter Herzklappenschäden, wurde Pergolid jedoch wieder vom Humanmarkt genommen. 2010 erhielt der Wirkstoff schließlich die Zulassung als Veterinärarzneimittel zur Behandlung von PPID beim Pferd. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch bis heute vergleichsweise dünn: Viele Studien sind klein, häufig unkontrolliert und erlauben keine eindeutigen Aussagen zu Langzeitwirkung, optimaler Dosierung oder dem tatsächlichen Nutzen im Verhältnis zu einer zuvor durchgeführten Stoffwechseltherapie. Aus diesem Grund gilt Pergolid als rein symptomatische, lebenslange (!) Behandlung, nicht als ursächliche Lösung.   Ein Ausschleichen ist nur unter engmaschiger Kontrolle und in sehr kleinen Schritten  möglich. Den offiziellen Beipackzettel findest du hier: https://www.vetmedica.de/prascend-07-2017.pdfx   Prascend/Pergolid kann NICHT: PPID heilen, das veränderte Gewebe an der Hirnanhangdrüse zurückbilden, die neurodegenerativen Prozesse aufhalten oder ein Tumorwachstum stoppen – es kann die eigentliche Ursache also weder beseitigen noch beheben, sondern ausschließlich deren Folgen mildern.   Nebenwirkungen kommen häufig vor: Appetitverlust, Apathie, Abmagerung, Unruhe. 5. Was die Studienlage sagt Zusammengefasst zeigen moderne Studien: PPID ist komplex und nicht vollständig verstanden. EMS/IR/Stoffwechsel und PPID hängen enger zusammen als früher gedacht. Diagnostik ist fehleranfällig und muss ganzheitlich betrachtet werden. Prascend wirkt Symptomüberdeckend, aber nicht bei jedem — und es heilt nicht. Stoffwechseltherapie ist immer erforderlich, egal ob PPID vorliegt oder nicht. Kurz: 👉  Man weiß heute mehr als früher – aber längst noch nicht alles. 6. Fazit – was bedeutet das für das Pferd? Viele Symptome, die wie Cushing bzw. PPID aussehen, können in Wahrheit Stoffwechselprobleme sein und/oder mechanische Ursachen  haben wie bspw. eine nicht passende Hufstellung und somit Schmerzen bei jeder Bewegung. Auch die Hufe haben einen direkten Einfluß auf das Stoffwechselgeschehen! Ein einziger Blutwert wie ACTH reicht nicht aus, um PPID sicher festzustellen – auch nicht wenn er mehrmals in Folge genommen wird. Bevor man das Hormonsystem medikamentös beeinflusst, sollte man unbedingt erst die aktuelle Fütterung sowie das Management untersuchen und sinnvollerweise den Stoffwechsel gezielt unterstützen. Oft bessert sich die Symptomatik so stark , dass Medikamente nicht mehr nötig sind. Merke:  mit Prascend-Gabe werden auch die Symptome wie Hufrehe oder ähnliches nicht geheilt. Sie befinden sich dann lediglich im „Schlummermodus“. Die dargestellten Inhalte basieren auf meinen Erfahrungen und naturheilkundlichen Ansätzen und dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Ich arbeite ergänzend zur Schulmedizin und empfehle bei akuten oder schwerwiegenden Beschwerden immer die Abklärung durch einen Tierarzt.

  • Bierhefe beim Pferd – sinnvoll oder überflüssig?

    👉  Saccharomyces cerevisiae in der Pferdefütterung erklärt Viele Pferdehalter stoßen früher oder später auf den Begriff Bierhefe fürs Pferd . Gemeint ist die Hefe Saccharomyces cerevisiae , die wir aus Backstube und Brauerei kennen. Doch: Brauchen Pferde wirklich Bierhefe für eine gesunde Verdauung – oder ist sie eher überbewertet? 👉  Was ist Bierhefe eigentlich? Saccharomyces cerevisiae  kommt in zwei Formen vor: Aktive Hefe:  Backhefe, Bäckerhefe Inaktive Hefe:  Bierhefe, Nährhefe (durch starkes Erhitzen inaktiviert) Besonders die inaktive Bierhefe wird gern als Zusatzfutter für Pferde beworben – mit Versprechen rund um Verdauung, Nährstoffaufnahme und Fellglanz. Doch so einfach ist es nicht: Bei der thermischen Inaktivierung werden zwar die meisten Hefezellen abgetötet, aber ein Rest kann aktiv bleiben. Gleichzeitig zerstört die starke Erhitzung viele natürliche B-Vitamine. Deshalb wird Bierhefe im Anschluss industriell mit synthetischen Vitaminen angereichert. → Der Vitaminanteil stammt also nicht mehr aus ursprünglicher Quelle, sondern aus nachträglicher Zugabe. 👉  Warum die Darmgesundheit so entscheidend ist Der Darm ist das Zentrum der Pferdegesundheit: Er verarbeitet das Futter, spaltet es auf und macht Nährstoffe verfügbar. Gleichzeitig sitzt dort ein Großteil des Immunsystems. Stress, Antibiotika oder falsche Fütterung können dieses empfindliche Gleichgewicht kippen. Die Folge ist eine Dysbiose  – eine gestörte Darmflora. Das kann weitreichende Konsequenzen haben: schlechtere Nährstoffaufnahme Entzündungen im Darm Übersäuerung Störung der Aminosäure-Biosynthese Störung der Regulierung von Entzündungsreaktionen im Darm Störung der enterischen Mikrobiota  ( mehr dazu hier ) → dadurch geht die Kolonisierungsresistenz nützlicher Mikroben verloren, der Darm wird anfälliger für Entzündungen und die Vermehrung von Krankheitserregern. Langfristig können diese Prozesse zu Stoffwechselproblemen führen – bis hin zu Kolik, Hufrehe oder Allergien , um nur einige zu nennen. 👉  Kraftfutter, Stärke und ihre Folgen Das natürliche Fressverhalten des Pferdes ist klar: dauerhafte Aufnahme von rohfaserreicher Pflanzenkost . Steigt jedoch der Energiebedarf oder ist das Heu minderwertig, greifen viele Halter zu Getreide. Doch genau hier liegt das Problem: Stärke im Kraftfutter gelangt leicht unverdaut in den Dickdarm. Dort fördert sie sogenannte acidophile Bakterien  wie Lactobacillus acidophilus . Diese senken den pH-Wert (→ Übersäuerung) und bremsen die Rohfaserverdauung. Die möglichen Folgen: Ungleichgewicht im Dickdarm (das Pferd ist ein Dickdarmverdauer!) Stoffwechselstörungen Funktionsstörungen von Leber und Niere mit entsprechenden Krankheitsbildern 👉  Was bringt Bierhefe in diesem Zusammenhang? Die Studienlage ist dünn und teilweise widersprüchlich. Trotzdem zeigen einzelne Ergebnisse: Bierhefe kann bei großen Mengen Kraftfutter die Stärkeverwertung verbessern. Sie wirkt dabei wie ein „Rottebeschleuniger“  und fördert die mikrobielle Aktivität. Sie unterstützt die Verdauung von Zellulose und Lignin . ⚠️ Problematisch wird es, wenn noch aktive Hefezellen  enthalten sind: Unter Luftabschluss im Darm und mit dem dort natürlich vorhandenen Zucker können sie Alkohol und sogenannte Fuselalkohole bilden. Das führt zu Blähungen, Fehlgärungen und weiteren Verdauungsstörungen  – ein zusätzlicher Risikofaktor für empfindliche Pferde. Aber: Bierhefe siedelt sich im Pferdedarm nicht dauerhaft an. Ihre positive Wirkung ist nur während der Fütterung von großer Menge Kraftfutter  spürbar – ein nachhaltiger Aufbau der Darmflora gelingt nicht. An den negativen (Aus)Wirkungen hat man jedoch länger etwas. 👉  Vitamine in Bierhefe – ein oft missverstandenes Thema Vitamin B12  ist in Bierhefe nicht enthalten . Biotin (Vitamin B7) ist zwar vorhanden und kann Horn- und Fellqualität positiv beeinflussen – aber nur bei: langfristiger Gabe (3 mg pro 100 kg Körpergewicht und Tag), kombiniert mit schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin und Cystein. Andere B-Vitamine werden nach der Erhitzung synthetisch zugesetzt . Zur Übersicht, welche Vitamine und Nährstoffe natürlicherweise in Bierhefe vorkommen und wie sie auf die starke Erhitzung reagieren: 📊 Vitamine in Bierhefe nach Erhitzung Vitamin / Nährstoff In Bierhefe? Übersteht die Erhitzung? B1 (Thiamin) ✔️ ❌ (geht größtenteils verloren) B2 (Riboflavin) ✔️ ⚠️ (teils erhalten) B3 (Niacin) ✔️ ✔️ (stabil) B5 (Pantothensäure) ✔️ ⚠️ (teilweise verloren) B6 (Pyridoxin) ✔️ ❌ (sehr empfindlich) B7 (Biotin) ✔️ ✔️/⚠️ (relativ stabil, schwankend) B9 (Folsäure) ✔️ ❌ (geht größtenteils verloren) B12 (Cobalamin) ❌ – (nicht enthalten) Mineralstoffe ✔️ ✔️ (weitgehend stabil) 👉 Fazit: Bierhefe verliert durch Erhitzung vor allem die empfindlichen B-Vitamine  (B1, B6, B9). Stabiler bleiben Biotin, Niacin und Mineralstoffe  – vieles andere wird später synthetisch ergänzt. 👉  Artgerechte Fütterung statt Zusatzhefe Pferde, die rund um die Uhr Zugang zu hochwertigem Heu haben, brauchen weder große Mengen Kraftfutter noch Bierhefe. Kraftfutter ist nur dann nötig, wenn wirklich ein Energiedefizit  vorliegt – z. B. bei Sportpferden mit hohem Leistungsbedarf. Dabei sollte man genau hinschauen: Nicht jedes Pferd kann Getreide gleich gut verstoffwechseln (hier spielt auch die Abstammung eine Rolle). Beispiel: Ein 600-kg-Pferd benötigt ca. 79 MJ verdauliche Energie pro Tag  – 10 kg gutes Heu decken diesen Bedarf bereits.Als Richtwert gilt heute: 2–3 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht und Tag . Damit liegt der Heubedarf eines 600-kg-Pferdes zwischen 12 und 18 kg täglich – abhängig von Haltung, Arbeit und individueller Konstitution. ➡️ Daraus lässt sich schließen: Statt eine vermeintlich fehlende Energie über Kraftfutter auszugleichen, ist es oft sinnvoller und gesünder, den Heuanteil zu erhöhen  – vorausgesetzt, die Heuqualität stimmt. 👉  Dauerfressen, Übergewicht und die Diätfalle Pferde, die trotz 24/7 Heu „nicht satt“ werden, haben oft ein Defizit : Nährstoffmangel, Stress oder Schmerzen. Übergewichtige Pferde profitieren nicht von Hungerkuren, sondern von Stoffwechselunterstützung und einer kritischen Analyse der Heuqualität (Zuckergehalt, Nährstoffdichte). Fressbremsen oder übermäßige Strohstreckung  sind riskant: Sie belasten den Verdauungstrakt und erhöhen langfristig das Risiko für Magengeschwüre, Koliken, Rehe oder Allergien. Lesenswert: MDPI-Studie 2022 ✅ Fazit: Bierhefe & Kraftfutter beim Pferd ❌ Bierhefe ist kein Allheilmittel und eine Fütterung nicht empfehlenswert → verliert durch Erhitzung wichtige Vitamine → liefert keinen nachhaltigen Nutzen für die Darmflora → führt sogar zu Problemen (Fuselalkohole, Blähungen) ✅ Darmgesundheit ist der Schlüssel → intakte Mikrobiota produziert B-Vitamine selbst → Supplementierung wird dadurch überflüssig ✅ Natürliche B-Vitamin-Quellen nutzen → z. B. aus frischem Grünfutter, Kräutern, Keimlingen oder speziellen Mineralfuttern → statt künstlich angereicherter Bierhefe ⚠️ Kraftfutter nur mit Bedacht einsetzen → nur sinnvoll, wenn das Pferd tatsächlich hohe Leistung  erbringt → immer abhängig vom Pferdetyp  (leicht- oder schwerfuttrig, Sport- oder Freizeitpferd, Abstammung) → Auswahl des richtigen Kraftfutters ist entscheidend (Getreide ist nicht für jedes Pferd geeignet!) ➡️ Grundregel : Hochwertiges Heu rund um die Uhr  ist die wichtigste Basis – 2–3 kg pro 100 kg Körpergewicht und Tag. → besser Heuanteil erhöhen , statt vorschnell zu Kraftfutter oder Bierhefe zu greifen. ✅ Do: Auf qualitativ gutes, langstieliges Heu & ausreichend Raufutter setzen – das ist die Grundvoraussetzung für einen gesunden Darm und die nötige Energieversorgung. ✨ Du hast Fragen zur Fütterung oder wünschst Dir eine individuelle Beratung für Dein Pferd?  👉 Gerne kannst Du Dich bei m ir melden und eine persönliche Futterberatung buchen.

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