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- 🧬 Proteine – der Baustoff des Lebens
Wenn über Pferdefütterung gesprochen wird, dreht es sich meist um Zucker, Stärke oder Mineralstoffe. Dabei gerät ein Nährstoff häufig in den Hintergrund: Protein. 💡 Kurz erklärt: Protein, Eiweiß und Aminosäuren Protein und Eiweiß sind zwei Begriffe für dasselbe. Jedes Protein besteht wiederum aus vielen einzelnen Aminosäuren. Man kann sich das ein bisschen wie eine Perlenkette vorstellen: Die einzelnen Perlen sind die Aminosäuren – die fertige Kette ist das Protein. Nimmt das Pferd Protein über das Futter auf, wird dieses bei der Verdauung in kleinere Bestandteile bis hin zu einzelnen Aminosäuren zerlegt. Diese kann der Körper anschließend wieder neu zusammensetzen und daraus genau die Proteine bauen, die er gerade benötigt. Deshalb ist nicht nur entscheidend, wie viel Protein ein Futtermittel enthält, sondern auch, aus welchen Aminosäuren dieses Protein besteht. Fehlen bestimmte Aminosäuren, hat der Körper vielleicht genug „Eiweiß“ zur Verfügung – aber nicht unbedingt die richtigen Bausteine, um daraus das zu bauen, was er gerade braucht. Proteine sind an nahezu jedem Vorgang im Körper beteiligt. Sie bilden Muskeln, Sehnen, Bänder, Haut, Hufe und Fell, sind Bestandteil von Enzymen, Hormonen und Antikörpern und ermöglichen unzählige Stoffwechselprozesse. Kurz gesagt: Ohne Proteine wäre Leben nicht möglich. 🧩 Protein ist nicht gleich Protein Einige Aminosäuren kann das Pferd selbst herstellen, andere müssen über das Futter zur Verfügung gestellt werden. In der Pferdefütterung wird dabei besonders häufig über Lysin, Methionin und Threonin gesprochen, weil sie bei der Proteinversorgung limitierend sein können. Das bedeutet für mich aber ausdrücklich nicht, dass diese Aminosäuren deshalb einzeln zugefüttert werden sollten. Der Körper benötigt Aminosäuren nicht isoliert, sondern in einem sinnvollen Verhältnis zueinander. Fehlt ein Baustein, kann der Körper das vorhandene Eiweiß nicht optimal für den Aufbau körpereigener Proteine nutzen. Gleichzeitig ist mit der isolierten Gabe einzelner Aminosäuren nicht automatisch eine bessere Proteinversorgung erreicht. Mein Ansatz ist deshalb ein anderer: Ich möchte dem Pferd hochwertiges Protein über natürliche Futtermittel zur Verfügung stellen und damit ein möglichst vollständiges Aminosäurespektrum anbieten – statt einzelne Aminosäuren herauszugreifen und gezielt zu supplementieren. Deshalb sagt auch ein hoher Rohproteingehalt allein noch lange nichts darüber aus, wie gut ein Pferd tatsächlich mit verwertbarem Protein versorgt ist. 🌱 Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle Auch beim Thema Protein lohnt sich wieder ein Blick auf den Darm. Im Dickdarm des Pferdes leben unzählige Mikroorganismen. Sie verwerten Bestandteile des Futters und bilden im Rahmen ihrer Stoffwechselprozesse unter anderem auch Aminosäuren und mikrobielles Protein. Wie viel davon dem Pferd tatsächlich als Aminosäurequelle zur Verfügung steht, ist allerdings begrenzt, da diese Prozesse überwiegend im Dickdarm stattfinden. Somit wird auch hier einmal mehr deutlich, welche enorme Bedeutung eine intakte Darmflora für die Verdauung, Nährstoffverwertung und den gesamten Organismus besitzt. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann sich das auf viele Stoffwechselprozesse auswirken – und damit auch darauf, wie gut der Organismus mit den zugeführten Nährstoffen umgehen kann. Aus meiner Sicht ist das einer der Gründe, warum ich bei chronischen Erkrankungen immer auch den Darm mit betrachte. 🌾 Warum Protein heute immer häufiger zum Thema wird In meinem Blogartikel „Heu ist nicht gleich Heu“ habe ich bereits beschrieben, wie sehr sich unser Grundfutter verändert hat. Viele heutige Heuwiesen bestehen überwiegend aus ertragsstarken Gräsern. Kräuter und Leguminosen sind deutlich seltener geworden. Gleichzeitig können ungünstige bzw. sehr späte Schnittzeitpunkte dazu führen, dass Proteingehalt und Verdaulichkeit des Futters sinken. Das bedeutet nicht automatisch, dass unser Heu schlecht ist. Es bedeutet aber, dass die Versorgung mit hochwertigem Protein bei manchen Pferden durchaus zum limitierenden Faktor werden kann. 🐴 Woran erkennt man einen Proteinmangel? Ein Proteinmangel entwickelt sich meist schleichend und ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Mögliche Hinweise können sein: Muskelabbau – besonders an Rücken und Kruppe schlechter Muskelaufbau trotz Training schlechte Hufqualität stumpfes Fell verzögerter oder schlechter Fellwechsel schwaches Bindegewebe verlangsamte Wundheilung reduzierte Leistungsfähigkeit Natürlich können all diese Symptome auch viele andere Ursachen haben und sollten deshalb immer im Gesamtbild betrachtet werden. 🦶 Warum Methionin für Hufe so wichtig ist Eine besondere Rolle spielt Methionin. Methionin ist eine schwefelhaltige Aminosäure und spielt unter anderem für schwefelhaltige Strukturen im Keratin eine wichtige Rolle – und Keratin ist wiederum ein wesentlicher Baustoff von Hufhorn und Haaren. Gerade bei Pferden mit schlechter Hornqualität lohnt sich deshalb häufig ein genauer Blick auf die gesamte Eiweiß- und Aminosäurenversorgung – und nicht nur auf Biotin. Das bedeutet jedoch auch hier nicht, dass ich Methionin isoliert zufüttern würde. Vielmehr möchte ich wissen: Wie sieht die gesamte Proteinversorgung dieses Pferdes aus? Was liefert das Grundfutter? Und wo könnte tatsächlich etwas fehlen? 🌿 Muss jetzt jedes Pferd zusätzlich Protein bekommen? Ganz klar: Nein. Bekommen Pferde ein qualitativ gutes Grundfutter – und damit meine ich in erster Linie gutes Heu und das 24/7 – können sie ihren Bedarf häufig bereits darüber ausreichend decken. Interessant wird das Thema dort, wo die Proteinqualität des Grundfutters nicht ausreicht, die Gesamtversorgung knapp wird oder der Bedarf steigt – beispielsweise bei Jungpferden, Zuchtstuten, Senioren oder Pferden im Muskelaufbau. Jedes Pferd bringt andere Voraussetzungen mit. 🌱 Warum ich natürliche Proteinquellen bevorzuge Wenn ich eine Ergänzung für sinnvoll halte, greife ich möglichst auf natürliche Proteinquellen zurück. Besonders bewährt haben sich für mich: Esparsette Grünhafer Sie liefern nicht nur Protein, sondern ein natürliches Spektrum verschiedener Aminosäuren und gleichzeitig viele weitere Nähr- und Begleitstoffe. Ich füttere dabei bewusst keine einzelnen Aminosäuren wie Lysin, Methionin oder Threonin zu. Mein Ziel ist nicht, einzelne vermeintlich fehlende Bausteine herauszugreifen, sondern dem Organismus über natürliche Futtermittel ein möglichst breites Aminosäurespektrum zur Verfügung zu stellen. Fütterung bedeutet für mich nicht, einen einzelnen Nährstoff isoliert zu betrachten. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel. Mein Ziel ist es, die Qualität des vorhandenen Grundfutters dort sinnvoll zu ergänzen, wo es tatsächlich notwendig ist. 🧐 Mythos oder Wahrheit? ❌ Mythos: Ein hoher Rohproteingehalt bedeutet automatisch eine gute Eiweißversorgung.➡️ Nein. Entscheidend sind unter anderem die Zusammensetzung der Aminosäuren, ihre Verdaulichkeit und ihre Verfügbarkeit für das Pferd. ❌ Mythos: Protein wird nur für den Muskelaufbau benötigt.➡️ Tatsächlich wird Protein für nahezu jedes Gewebe und unzählige Vorgänge im Körper benötigt – von Haut und Hufen über Enzyme und Hormone bis hin zum Immunsystem. ❌ Mythos: Jedes Pferd braucht zusätzliches Eiweiß.➡️ Nein. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Grundfutter, Alter, Bedarf, Gesundheitszustand und natürlich vom einzelnen Pferd ab. ❌ Mythos: Wenn Lysin, Methionin oder Threonin wichtig sind, sollte man sie einfach einzeln zufüttern.➡️ So einfach ist es nicht. Aminosäuren wirken nicht unabhängig voneinander. Für mich steht deshalb die Versorgung mit hochwertigem Protein und einem möglichst natürlichen Aminosäurespektrum im Vordergrund – nicht die isolierte Gabe einzelner Aminosäuren. ❌ Mythos: Biotin allein sorgt für gute Hufe.➡️ Auch das ist zu kurz gedacht. Für gesundes Hufhorn braucht der Körper nicht nur Biotin, sondern auch die entsprechenden Baustoffe – darunter schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin. Deshalb sollte bei schlechter Hufqualität immer die gesamte Versorgung betrachtet werden. ✨ Fazit Proteine gehören zu den wichtigsten Bausteinen des Pferdekörpers. Entscheidend ist dabei nicht einfach nur die Menge, sondern vor allem die Qualität und Verwertbarkeit. Hochwertiges Grundfutter und eine gesunde Darmflora bilden die Basis für Muskulatur, Haut, Fell, Hufe und einen funktionierenden Stoffwechsel. Deshalb betrachte ich Protein nie isoliert. Ich schaue zuerst auf das Grundfutter, den Darm und den individuellen Bedarf des Pferdes. Wenn eine Ergänzung notwendig ist, bevorzuge ich natürliche Proteinquellen, die dem Körper nicht nur einzelne Aminosäuren, sondern ein möglichst breites Spektrum an Bausteinen zur Verfügung stellen. Für mich geht es nicht darum, möglichst viele einzelne Nährstoffe in ein Pferd hineinzubekommen. Es geht darum, dem Körper die Voraussetzungen zu geben, mit denen er selbst möglichst gut arbeiten kann.
- 🌾 Heu ist nicht gleich Heu – das unterschätzte Fundament der Pferdegesundheit
Heu ist – neben der Weide – das wichtigste Futtermittel unserer domestizierten Pferde. Pferde sind Dickdarmverdauer. Den größten Teil ihrer Energie gewinnen sie durch die mikrobielle Fermentation der Pflanzenfasern im Dickdarm. An ihrem natürlichen Grundfutter – der Weide und in unserer Haltung vor allem dem Heu – führt deshalb kein Weg vorbei. Genau deshalb beginnt für mich jede Fütterung beim Grundfutter. In der Praxis können wir dessen Qualität jedoch häufig gar nicht oder nur wenig beeinflussen. Viele Pferdehalter sind Einsteller oder auf das Heu angewiesen, das regional verfügbar ist. Umso wichtiger ist es, die Stärken und Schwächen des vorhandenen Grundfutters zu kennen. Ich bin überzeugt, dass es nicht darum geht, möglichst viele Ergänzungsfuttermittel zu füttern oder einen theoretisch errechneten Bedarf mit immer neuen Produkten auszugleichen. Viel wichtiger ist es, das vorhandene Grundfutter zu verstehen und genau dort gezielt zu ergänzen, wo tatsächlich Versorgungslücken entstehen – möglichst natürlich und immer individuell auf das jeweilige Pferd abgestimmt. Denn aus meiner Sicht gilt: Nicht Masse, sondern Klasse. Nicht möglichst viel, sondern gezielt. Nicht künstlich, sondern so natürlich wie möglich. Und immer angepasst an das einzelne Pferd. 🌿 Die Grundlage entsteht auf der Wiese Bereits die Pflanzenzusammensetzung einer Wiese entscheidet darüber, welche Nährstoffe später im Heu enthalten sind. Früher bestanden viele Wiesen aus einer natürlichen Vielfalt verschiedener Gräser, Kräuter und Leguminosen. Genau diese Vielfalt versorgte Pferde mit unterschiedlichsten Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und hochwertigen Proteinen. Heute sieht das vielerorts anders aus. Viele Grünlandflächen wurden ursprünglich für die Rinderhaltung angelegt und entsprechend eingesät. Dort dominieren häufig ertragsstarke Hochleistungsgräser wie beispielsweise Deutsches Weidelgras. Diese wachsen schnell, liefern hohe Erträge und eignen sich hervorragend für die Milchviehhaltung. Die Bedürfnisse eines Pferdes unterscheiden sich jedoch deutlich von denen einer Hochleistungskuh. Schauen wir uns an, wo das Pferd ursprünglich herkommt, finden wir keine Monokulturen. Wildlebende Pferde nehmen im Laufe eines Tages viele verschiedene Gräser, Kräuter, Sträucher und andere Pflanzen auf. Genau diese Vielfalt sollten wir auch heute wieder stärker in den Fokus rücken. 🌸 Warum Kräuter immer seltener werden Eine artenreiche Pferdewiese entsteht nicht von allein. Viele Kräuter und Leguminosen können sich nur dauerhaft erhalten, wenn sie regelmäßig zur Blüte und Samenreife gelangen. Werden Wiesen jedes Jahr früh oder mehrfach gemäht, bevor die Pflanzen aussamen können, verschwinden sie nach und nach aus dem Bestand. Übrig bleiben vor allem schnell wachsende Gräser mit hohen Erträgen. Das bedeutet nicht, dass ein früher Schnitt grundsätzlich schlecht ist. Im Gegenteil: Er liefert häufig hochwertigeres Eiweiß und besser verdauliches Heu. Für die Artenvielfalt ist es jedoch genauso wichtig, dass Pflanzen Zeit bekommen, Samen auszubilden und sich auf natürliche Weise zu vermehren. Nur so bleiben Kräuter und Leguminosen langfristig erhalten. Der optimale Erntezeitpunkt ist deshalb immer ein Kompromiss zwischen Futterqualität, Artenvielfalt, Naturschutz und Wirtschaftlichkeit. 🚜 Landwirtschaft muss wirtschaftlich arbeiten Landwirte produzieren nicht das „falsche" Heu. Sie produzieren das, was wirtschaftlich sinnvoll ist und was nachgefragt wird. Hohe Erträge, eine gute Konservierbarkeit und eine effiziente Flächennutzung sind für jeden Betrieb entscheidend. Leistungsstarke Gräser, gezielte Düngung und angepasste Bewirtschaftung erhöhen den Ertrag pro Hektar und sichern die Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Die meisten Pferdehalter kaufen schlicht Heu. Nur selten wird nach der Pflanzenzusammensetzung, dem Erntezeitpunkt oder der tatsächlichen Qualität gefragt. Für viele Betriebe lohnt es sich deshalb wirtschaftlich kaum, spezielle Pferdeheu-Mischungen anzubauen oder bewusst geringere Erträge zugunsten einer höheren Pflanzenvielfalt in Kauf zu nehmen. Das ist niemandem vorzuwerfen. Es erklärt jedoch, warum unser heutiges Heu häufig anders aussieht als noch vor einigen Jahrzehnten. 🌦️ Klimawandel und Erntezeitpunkt Auch der Klimawandel beeinflusst heute die Qualität unseres Heus. Längere Trockenperioden, Starkregen und immer kürzere Erntefenster erschweren es Landwirten zunehmend, den optimalen Schnittzeitpunkt zu treffen. Hinzu kommen in einigen Regionen Agrarumweltprogramme, die aus Naturschutzgründen spätere Schnittzeitpunkte vorsehen, beispielsweise zum Schutz von Bodenbrütern oder Insekten. Diese Maßnahmen sind ökologisch sinnvoll und wichtig, beeinflussen jedoch gleichzeitig die Qualität des später gewonnenen Heus. Mit zunehmendem Alter verändert sich jede Pflanze. Die Stängel verholzen, der Rohfaseranteil steigt und die Verdaulichkeit nimmt ab. Gleichzeitig sinkt die Qualität der enthaltenen Proteine. Besonders die für Pferde wichtigen essentiellen Aminosäuren stehen dann häufig nicht mehr in gleicher Menge zur Verfügung. 🍬 Und wie ist das mit dem Zucker? Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass spät geerntetes Heu automatisch zuckerarm ist. Ganz so einfach ist es leider nicht. Der Zuckergehalt wird nicht nur vom Erntezeitpunkt beeinflusst. Auch Grasarten, Sonneneinstrahlung, Trockenstress, Temperatur, Niederschläge, Düngung und sogar die Tageszeit der Mahd spielen eine Rolle. Gerade Trockenstress oder kalte Nächte können dazu führen, dass Pflanzen Zucker anreichern, weil sie ihn zwar bilden, aufgrund eingeschränkten Wachstums jedoch nicht vollständig verbrauchen. Deshalb gilt: Nicht jedes frühe Heu ist zuckerreich und nicht jedes späte Heu automatisch zuckerarm. 🧬 Warum hochwertiges Eiweiß heute häufig fehlt In meiner täglichen Arbeit begegnen mir immer wieder Pferde, die rund um die Uhr Heu zur Verfügung haben und dennoch Anzeichen einer unzureichenden Eiweißversorgung zeigen. Für mich ist das kein Widerspruch. Entscheidend ist nicht, wie viel Heu ein Pferd frisst, sondern welche Qualität dieses Heu besitzt. Später geerntetes oder stark verholztes Heu enthält oftmals weniger hochwertiges Eiweiß und geringere Mengen essentieller Aminosäuren. Gleichzeitig fehlen auf vielen Flächen Leguminosen oder andere eiweißreiche Pflanzen, die früher selbstverständlicher Bestandteil artenreicher Wiesen waren. Aus meiner Erfahrung reicht die Eiweißqualität vieler heutiger Heusorten für zahlreiche Pferde nicht mehr aus. Genau deshalb setze ich – immer individuell auf das jeweilige Pferd abgestimmt – gezielt natürliche Eiweißquellen wie Esparsette oder Grünhafer ein. Nicht weil jedes Pferd sie braucht, sondern weil sie dort unterstützen können, wo das Grundfutter an seine Grenzen stößt. 🧐 Mythos oder Wahrheit? ❌ Mythos: Grünes Heu ist automatisch hochwertiges Heu. Farbe allein sagt wenig über die tatsächliche Qualität aus. ❌ Mythos: Spätes Heu ist immer zuckerarm. Der Zuckergehalt hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht allein am Erntezeitpunkt erkennen. ❌ Mythos: Viel Heu bedeutet automatisch eine optimale Versorgung. Ein Pferd kann rund um die Uhr Heu fressen und trotzdem nicht optimal mit hochwertigen Proteinen, Mineralstoffen oder sekundären Pflanzenstoffen versorgt sein. ❌ Mythos: Alle Heuwiesen sind für Pferde gleichermaßen geeignet. Die Pflanzenzusammensetzung entscheidet maßgeblich darüber, welche Nährstoffe später im Heu enthalten sind. ❌ Mythos: Eine Heuanalyse beantwortet alle Fragen. Eine Heuanalyse kann eine hilfreiche Orientierung geben – sie zeigt jedoch immer nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtbildes. Bereits eine wirklich repräsentative Probenahme ist in der Praxis schwierig. Wer füttert ausschließlich Heu von einer einzigen Wiese? Oft stammen Rundballen von unterschiedlichen Flächen oder verschiedenen Schnitten. Selbst innerhalb eines Ballens können sich Pflanzenbestand und Nährstoffgehalte deutlich unterscheiden. Hinzu kommt, dass Heu ein Naturprodukt ist und sich während der Lagerung verändert. Eine Analyse beschreibt deshalb immer nur den Zustand zum Zeitpunkt der Probenahme. Für mich ist eine Heuanalyse deshalb ein Puzzleteil – aber niemals das gesamte Puzzle. Genauso wichtig sind die Pflanzenzusammensetzung der Wiese, die Bewirtschaftung, der Erntezeitpunkt, die Lagerung und vor allem die Frage: Wie reagiert das Pferd auf dieses Heu? ✨ Fazit Ich bin überzeugt davon, dass Pferde 24 Stunden am Tag Zugang zu hochwertiger, langfaseriger Rohfaser haben sollten. Heu bildet – neben der Weide – die Grundlage einer artgerechten Pferdefütterung. Gleichzeitig können wir die Qualität unseres Grundfutters häufig nur begrenzt beeinflussen. Genau deshalb ist es aus meiner Sicht so wichtig, das vorhandene Heu zu verstehen. Nicht um es schlechtzureden, sondern um seine Stärken und Schwächen zu kennen und die Fütterung dort gezielt zu ergänzen, wo es sinnvoll ist. Vielleicht sollten wir deshalb aufhören zu fragen, welches Zusatzfutter unser Pferd noch braucht. Und stattdessen häufiger fragen, ob sein wichtigstes Futtermittel überhaupt noch dem entspricht, wofür sein Verdauungssystem geschaffen wurde. Denn genau hier beginnt für mich gesunde Pferdefütterung.
- 🌿 Esparsette – eine der wertvollsten Futterpflanzen für Pferde
Foto der Esparsette mit freundlicher Genehmigung von Gewer Kft. Esparsette (Onobrychis viciifolia) gehört zu den ältesten Futterpflanzen Europas und erlebt in der modernen Pferdefütterung zu Recht eine Renaissance. Während sie früher vor allem in der Landwirtschaft als hochwertige Futterpflanze geschätzt wurde, rückt heute ihr besonderer Einfluss auf Verdauung, Stoffwechsel und Darmgesundheit immer stärker in den Fokus. Im Gegensatz zu vielen anderen eiweißreichen Futtermitteln enthält Esparsette nur wenig Zucker und Stärke. Dadurch liefert sie wertvolle Nährstoffe, ohne den Blutzucker unnötig zu belasten, und eignet sich besonders gut für Pferde mit empfindlichem Stoffwechsel. Hochwertige Proteine – häufig der unterschätzte Engpass Ein häufig unterschätzter Punkt in der Pferdefütterung ist die Eiweißqualität. Viele Heusorten enthalten zwar ausreichend Rohprotein, liefern jedoch nicht immer genügend hochwertige, gut verwertbare Proteine beziehungsweise essentielle Aminosäuren. Gerade spät geerntetes oder stark verholztes Heu verliert einen Teil seines ernährungsphysiologischen Wertes. Esparsette kann diese Lücke sinnvoll schließen. Sie liefert hochwertiges pflanzliches Eiweiß mit einer guten Aminosäurezusammensetzung und unterstützt damit unter anderem den Erhalt und Aufbau von Muskulatur, Bindegewebe, Hufen, Haut und Fell. Gleichzeitig erfolgt die Eiweißversorgung auf natürliche Weise, ohne den Stoffwechsel durch hohe Zucker- oder Stärkemengen zusätzlich zu belasten. Der wohl größte Unterschied zu anderen Futterpflanzen liegt jedoch in ihren natürlichen kondensierten Tanninen. Diese sekundären Pflanzenstoffe machen Esparsette so besonders. In moderaten Mengen können Tannine die Eiweißverwertung positiv beeinflussen, indem sie einen Teil der Proteine zunächst vor einem zu schnellen Abbau schützen. Dadurch stehen dem Organismus mehr hochwertige Aminosäuren für die weitere Verwertung zur Verfügung. Darüber hinaus können die enthaltenen Tannine das Darmmilieu unterstützen. Sie werden seit vielen Jahren wissenschaftlich hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Darmgesundheit sowie im Zusammenhang mit Magen-Darm-Parasiten untersucht. Esparsette ersetzt jedoch keine gezielte Parasitenkontrolle, sondern kann im Rahmen eines durchdachten Fütterungskonzeptes sinnvoll eingesetzt werden. Aufgrund ihres niedrigen Zucker- und Stärkegehalts eignet sich Esparsette für viele Pferde mit Insulinresistenz, EMS, Hufrehe-Risiko oder anderen Stoffwechselproblemen. Gleichzeitig liefert sie hochwertiges Eiweiß, Calcium, Magnesium sowie zahlreiche natürliche sekundäre Pflanzenstoffe. Welche Form ist sinnvoll? Ich empfehle Esparsette ausschließlich als Heu oder in Form schonend gepresster Cobs. Beide Varianten erhalten die natürliche Pflanzenstruktur und ermöglichen eine artgerechte Fütterung. Von sogenannten Strukturfuttern oder Häckselprodukten halte ich dagegen wenig. Die enthaltenen Faserlängen sind häufig deutlich kürzer als bei natürlichem Heu oder Esparsette-Heu. Dadurch wird das Futter in der Regel weniger intensiv gekaut und entsprechend auch weniger eingespeichelt. Speichel ist für das Pferd jedoch weit mehr als nur ein Gleitmittel: Er enthält Bicarbonat und dient als natürlicher Puffer der Magensäure. Gelangt das Futter nicht ausreichend eingespeichelt in den Magen, steht dieser Schutzmechanismus nur eingeschränkt zur Verfügung. Langfaserige Futtermittel wie Heu oder Esparsette-Heu fördern dagegen eine ausgiebige Kautätigkeit, eine hohe Speichelproduktion und unterstützen damit die natürliche Magengesundheit. Aus diesem Grund empfehle ich Esparsette bevorzugt als Heu oder schonend gepresste Cobs, nicht jedoch als Häckselprodukt. 📊 Esparsette auf einen Blick Bereich Esparsette – kurz zusammengefasst Herkunft Mehrjährige Leguminose (Onobrychis viciifolia) Besonderheit hochwertige Proteine & natürliche Tannine Zucker & Stärke natürlich niedrig Eiweißqualität reich an gut verwertbaren Aminosäuren Verdauung unterstützt Darmflora und Kautätigkeit Wirkung magen- und stoffwechselfreundlich Geeignet für nahezu alle Pferde, besonders bei erhöhtem Proteinbedarf oder Stoffwechselproblemen Mineralstoffe Calcium, Magnesium, Kalium Fütterung als Heu oder Cobs – Ergänzung zum Heu Qualität blattreiche, schonend getrocknete Ware bevorzugen ✨ Fazit Esparsette ist weit mehr als nur eine eiweißreiche Futterpflanze. Sie liefert hochwertige Proteine, wertvolle Aminosäuren, strukturreiche Fasern und natürliche sekundäre Pflanzenstoffe. Gerade in Zeiten, in denen viele Pferde überwiegend spät geerntetes oder nährstoffärmeres Heu erhalten, kann sie helfen, die Eiweißversorgung sinnvoll zu ergänzen. Für mich gehört Esparsette deshalb zu den wertvollsten Futtermitteln überhaupt. Als Heu oder Cobs eingesetzt unterstützt sie den Darm, schont den Stoffwechsel und versorgt den Organismus mit wichtigen Nährstoffen – ganz ohne die Nachteile vieler klassischer Kraftfutter.
- 🌿 Grünhafer – unterschätzter Baustein in der Pferdefütterung
Grünhafer wird häufig mit klassischem Hafer gleichgesetzt – dabei handelt es sich um ein völlig anderes Futtermittel. Während Hafer als energiereiches Getreidekorn bekannt ist, wird Grünhafer aus der Pflanze Avena sativa vor der Kornreife geerntet. --> Es entstehen also gar keine stärkehaltigen Körner, sondern es wird die gesamte Pflanze genutzt. Genau darin liegt sein großer Vorteil: Die Energie stammt überwiegend aus den fermentierbaren Faserbestandteilen der Pflanze und nicht aus Stärke. Dadurch belastet Grünhafer den Stoffwechsel deutlich weniger und liefert eine gleichmäßigere, „ruhigere“ Energie. Trotz seines hohen Faseranteils ist er keineswegs energiearm, sondern bewegt sich je nach Erntezeitpunkt etwa 9–12 MJ/kg Trockenmasse. Durch seinen hohen Celluloseanteil werden die Faseranteile des Grünhafers überwiegend im Dickdarm mikrobiell fermentiert, was ihn besonders magenfreundlich macht. Im Gegensatz zu stärkehaltigem Getreide entstehen im Magen und Dünndarm weniger Gärungsprozesse – das kann das Risiko einer übermäßigen Säurebelastung und damit verbundener Verdauungsprobleme reduzieren. Auch oder vor allem für Pferde mit empfindlichem Stoffwechsel bietet Grünhafer daher eine sinnvolle Alternative. Durch den niedrigen Zucker- und Stärkegehalt eignet er sich für die meisten Pferde, auch für solche mit Insulinresistenz, EMS-Tendenzen, Hufrehe-Risiko oder Darmdysbiosen. (Bitte immer die Inhaltsangaben lesen da die Werte je nach Erntezeitpunkt variieren können.) Gleichzeitig liefert er wertvolle Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium sowie Kieselsäure, die als wichtiger Baustein für Bindegewebe, Haut, Hufe und Fell gilt. Darüber hinaus enthält Grünhafer zahlreiche natürliche sekundäre Pflanzenstoffe, darunter Flavonoide und antioxidativ wirksame Verbindungen. Diese kommen in der jungen, grünen Pflanze besonders reichlich vor und können den Organismus dabei unterstützen, oxidativen Stress besser auszugleichen. In seiner Einordnung ist Grünhafer eine Art „Mittelweg“: Er vereint die Struktur eines Raufutters mit einer höheren Nährstoffdichte und lässt sich daher in seiner Funktion teilweise mit Esparsette vergleichen. Wichtig ist jedoch, dass er nicht als Ersatz für Heu, sondern als gezielte Ergänzung eingesetzt wird. einer höheren Nährstoffdichte und lässt sich daher in seiner Funktion teilweise mit Esparsette vergleichen. Ein entscheidender Punkt ist die Qualität: Wird Grünhafer zu spät geerntet, steigen Zucker- und Stärkegehalt deutlich an – und genau dann verliert er seine Vorteile und kann insbesondere für stoffwechselempfindliche Pferde problematisch werden. 📊 Grünhafer auf einen Blick Bereich Grünhafer – kurz zusammengefasst Herkunft Ganze Pflanze vor Kornreife geerntet Energiequelle Eiweiß & Faser (kaum Stärke) Energiegehalt ca. 11–13 MJ/kg TM Verdauung überwiegend im Dickdarm Wirkung stoffwechselschonend, magenfreundlich geeignet für Alle Pferde – auch bei EMS, IR, Hufrehe, Darmprobleme Besonderheiten hoher Faseranteil + dennoch energiereich Mineralstoffe Ca, Mg, K, Kieselsäure Einordnung zwischen Raufutter & Kraftfutter Fütterung Ergänzung zum Heu, kein Ersatz Achtung Erntezeitpunkt entscheidend ✨ Fazit Grünhafer ist kein klassisches Kraftfutter und auch kein reines Raufutter – sondern ein durchdachter Baustein für mehr Stabilität im System. Besonders bei Pferden, die stoffwechseltechnisch „aus der Balance geraten“, kann er eine ruhige, aber wirkungsvolle Unterstützung bieten.
- Erfahrungsbericht: Schwere Druckverletzung mit Nekrosen und Madenbefall beim Pferd
⚠️ Hinweis: Dieser Beitrag enthält Bilder (ganz unten) einer schweren Wundverletzung. Sie dienen ausschließlich der Dokumentation des Heilungsverlaufs und können auf manche Menschen verstörend wirken. Die Besitzerin des Pferdes hat der Veröffentlichung des Erfahrungsberichts sowie der dazugehörigen Bilder ausdrücklich und schriftlich zugestimmt. Ihr Name darf und soll genannt werden. Im Mai 2026 durfte ich die Stute von Romy Reisse bei der Versorgung einer außergewöhnlich schweren Wunde begleiten. Bei der Patientin handelt es sich um ein Tschechisches Kaltblut. Nach einem langen Transport von Deutschland nach Ungarn am 17.04.2026 entwickelte die Stute im Bereich der Pobacke und der Schweifrübe eine massive Druckverletzung. Das Gewebe war nekrotisch, in der Schweifrübe entstand ein tiefes Loch im Gewebe und es kam zu Madenbefall. Die Wunde wurde zunächst tierärztlich versorgt und sah im weiteren Verlauf erst einmal gut aus. Die Wunden schienen sauber abzuheilen. Am 12.05.2026 erhielt ich jedoch Bilder der Schweifrübe, die mich sofort alarmierten: Im neu gebildeten Gewebe beziehungsweise darunter waren erneut Maden zu erkennen. Wir sind daraufhin direkt zur Stute gefahren, haben die Wunde gereinigt und die Maden entfernt. Erst nachdem wir die Schweifhaare im betroffenen Bereich kurz geschnitten hatten, wurde das tatsächliche Ausmaß der weiterführenden Verletzung sichtbar. Im weiteren Verlauf hielten wir die Haare in diesem Bereich konsequent kurz, damit die Wunde jederzeit vollständig beurteilt und versorgt werden konnte. Bereits zu Beginn fiel der extreme Wundgeruch auf. Die Wunde roch erbärmlich – ein Geruch, den ich noch lange in der Nase hatte. Mit jeder gründlichen Wundversorgung nahm dieser Gestank jedoch Stück für Stück ab. Von Tag zu Tag war eine deutliche Verbesserung wahrnehmbar und Ende Mai war der unangenehme Geruch nahezu vollständig verschwunden. Während der kritischen Phase wurde die Temperatur zweimal täglich kontrolliert, um mögliche Hinweise auf eine systemische Infektion frühzeitig zu erkennen. Unsere Wundversorgung Zu Beginn wurde die Wunde zwei mal täglich versorgt. Der erste Schritt bestand darin, die gesamte Wunde großzügig mit 3%igem WPO (Wasserstoffperoxid) einzusprühen. Entscheidend war dabei nicht eine bestimmte Milliliterzahl, sondern die Schaumbildung. Wenn das WPO beim Aufsprühen sofort stark schäumte – vergleichbar mit Löschschaum oder Sprühsahne –, bedeutete das für uns: Hier ist noch viel Material vorhanden, mit dem das WPO reagiert. Deshalb wurde nicht nur einmal gesprüht, sondern ausreichend und wiederholt. Das Vorgehen war: Wunde vollständig mit WPO einsprühen, kurz warten, erneut sprühen, wieder warten und diesen Vorgang so oft wiederholen, bis es beim erneuten Aufsprühen fast nicht mehr aufschäumte. Gerade dieser Punkt war aus meiner Sicht entscheidend. Zu Beginn wurden pro Versorgung etwa 250 ml WPO benötigt. Aufgrund der Größe der Wunde und der starken Schaumbildung lief der Schaum teilweise regelrecht vom Schweif herunter. Erst wenn die Schaumbildung deutlich nachließ, wurde die Wunde mit lauwarmem Wasser abgewaschen. Danach wurde sie großzügig mit einer 50:50-Mischung aus DMSO und kolloidalem Silber gespült beziehungsweise nachgespült. Auch hiervon wurden anfangs etwa 250 ml pro Versorgung verwendet. Anschließend wurde die Wunde verbunden. In den ersten 10 Tagen etwa war ich täglich 1 x vor Ort, danach hat Romy die Wundversorgung selbst übernommen und ich habe nur hin und wieder unterstützt sowie den Heilungsverlauf überprüft. Das tatsächliche Ausmaß zeigte sich erst im Verlauf Mit der Zeit wurde deutlich, dass die Verletzung wesentlich tiefer reichte als zunächst angenommen. Auf der Innenseite der Schweifrübe trat Wundflüssigkeit aus. Später zeigte sich auch auf der Außenseite Flüssigkeitsaustritt. Dadurch wurde sichtbar, dass der betroffene Schweifabschnitt im Inneren nahezu vollständig zerstört war. Der Abschnitt war mehr oder weniger fleischlos und schien nur noch über die äußere Haut zusammenzuhalten. Im weiteren Verlauf löste sich die abgestorbene Oberhaut nach und nach ab. Sie konnte Stück für Stück entfernt werden, da sie bereits abgestorben war. Trotz des zunächst dramatischen Befundes heilte die Wunde sauber und kontinuierlich von innen nach außen ab. Granulationsgewebe – nicht immer ein Grund zur Sorge Während der Heilungsphase bildete sich zunächst reichlich Granulationsgewebe, umgangssprachlich oft als „wildes Fleisch“ bezeichnet. Dieser Anblick kann im ersten Moment verunsichern oder sogar erschrecken. Meine Erfahrung bestätigte sich auch in diesem Fall: Der Körper bildet zunächst schnell und viel neues Gewebe. Dieses Gewebe wirkt anfangs oft grob, wulstig oder „wild“. Innerhalb kurzer Zeit wird es jedoch weiter umgebaut und in stabileres, kräftiges und gesundes Gewebe integriert. Auch bei dieser Stute ließ sich sehr schön beobachten, wie zunächst viel Granulationsgewebe entstand und sich dieses anschließend Tag für Tag in sauberes, belastbares Wundgewebe umwandelte. Wichtig war aus meiner Sicht, die komplette Wunde wirklich gründlich mit 3%igem WPO zu versorgen. In diesem Fall galt für uns: lieber großzügig arbeiten als zu sparsam. Bei dieser Stute konnten wir während der gesamten Behandlungszeit keinerlei unerwünschte Reaktionen beobachten. Auch das umliegende gesunde Gewebe zeigte aus unserer Beobachtung keine erkennbare Beeinträchtigung. Die Stute hat während der Versorgungen nicht einmal mit der Wimper gezuckt und unglaublich artig mitgemacht – auch wenn ihr die ganze Prozedur irgendwann verständlicherweise ziemlich auf den Keks ging. Ein praktischer Nebeneffekt zeigte sich außerdem beim Verbandswechsel: Festgeklebte Wundauflagen ließen sich nach dem Einsprühen mit WPO deutlich leichter und gewebeschonender lösen. Ab Mitte Juni: Versorgung reduziert Ab etwa Anfang/Mitte Juni war die kritische Phase überstanden. Ab diesem Zeitpunkt reichte es aus, die Wunde nur noch einmal täglich zu versorgen. Nun ging es vor allem darum, die weitere Gewebebildung nicht unnötig zu stören und dem Körper die Möglichkeit zu geben, den Heilungsprozess in Ruhe fortzuführen. Das Ergebnis Um den 20.06.2026 herum war die gesamte Wunde verschlossen und mit gesundem, neuem Gewebe versehen. Rückblickend waren für mich mehrere Punkte entscheidend: das schnelle Reagieren beim erneuten Madenbefall, das konsequente Kurzhalten der Haare, die regelmäßige Temperaturkontrolle, die sehr gründliche Wundreinigung und die konsequente Versorgung der gesamten Wundfläche. Dieser Fall hat wieder einmal gezeigt, wie beeindruckend der Körper heilen kann, wenn abgestorbenes Gewebe entfernt wird, die Wunde sauber gehalten wird und gesundes Gewebe die Möglichkeit bekommt, sich von innen nach außen neu aufzubauen. Dieser Bericht beschreibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen bei diesem individuellen Fall. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei tiefen Wunden, Nekrosen, Fieber, starkem Wundgeruch, Schwellung, Schmerzen oder Madenbefall sollte immer umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden. Bild 1: Wunde vor der Versorgung am 12.05.26 - der rosige Bereich ist die alte, versorgte und verheilte Wunde, darunter die neue Stelle. Die weißen "Stippen" sind Maden. Bild 2: Wunde nach der Versorgung am 12.05.26 Bild 3: 14.05.26 Bild 4: 18.05.26 Bild 5 + 6: 23.05.26 Bild 7 + 8: 27.05.26 Bild 9+10: 29.05.26 Bild 11/12/13 : 03.06.26 - was man nicht sehen kann: wenn man den Schweif anfasste hatte man das Gefühl, dass der untere Teil nicht wirklich verbunden ist mit dem oberen Teil und wirkte im gesamten "instabil". Bild 14: 05.06.26 Bild 15/16/17 : 08.06.26 Bild 18/19/20 : 20.06.26 ab Bild 21 : 25.06.26 - ab hier konnte nun endlich auf den Verband verzichtet werden :-)
- Shelly – 28 Jahre gelebte Geschichte – oder Shelly – mein Montagspferd
Heute ist ein besonderer Tag. 😊Meine Shelly – geboren am 02.05.1998 – wird 28 Jahre alt. Wenn ich auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicke, dann ist das keine „klassische“ Pferdegeschichte. Es ist eine Geschichte voller Umwege, Zweifel, Bauchgefühl – und einer Stute, die mich mehr gelehrt hat als jedes Buch. Der Anfang – und das erste Bauchgefühl Ich habe Shelly achtjährig angeritten gekauft. Die AKU war ohne Befund. Bekannt war lediglich ein alter Griffelbeinbruch hinten rechts außen, der nicht operiert werden musste, sowie eine Durchtrittigkeit hinten. Ihr Gebäude war nie „einfach“ – ein massiver Brustkorb, insgesamt kein Pferd, das es einem in der Ausbildung leicht macht. Und doch war klar: DAS ist MEIN Pferd. Zunächst war alles gut - bis sie vorne links zu ticken und während des Reitens zu bocken und steigen begann. Vier Jahre Suche – ohne Antwort Was folgte, kennen viele: Tierarzt zu Tierarzt, Untersuchung um Untersuchung, Therapie um Therapie. Ohne klare Diagnose, ohne irgendeine Verbesserung. Ich habe immer wieder auf das alte Griffelbein hinten rechts hingewiesen. Die Antwort war immer dieselbe: „Das kann nicht davon kommen.“ Hinten lahmte sie ja nicht. Es war nichts dick. Also wurde weiter vorne gesucht. In dieser Zeit wechselten wir von klassischer Haltung (Box mit Koppelgang) in einen Offenstall im Saarland. Für mich bedeutete das: nur noch am Wochenende hinfahren. Für die Pferde bedeutete es: mehr Bewegung, mehr Pferd sein. Shelly wurde wieder stabiler und somit entschied ich mich auf Anraten der Tierärzte für einen Beritt. Sie müsse „mal richtig rangenommen werden“ und „mal richtig geritten werden“ und „ihr die Flausen aus dem Kopf treiben“… Wenn Verhalten fehlinterpretiert wird Auch dort lief alles „klassisch“. Ausbinder, weil sie nie „Vorwärts – Abwärts“ wollte. Shelly bockte viel. Nach etwa sechs Wochen habe ich abgebrochen. Mir war klar: hier passt was nicht. Das passt einfach nicht zu Shelly. Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Die Diagnose, die alles verändert hätte Auf dem Weg in unseren neuen Stall, ein neu eröffneter Aktivstall in meiner Heimat, machten wir Halt bei einem renommierten Tierarzt. Diagnose: „Eindeutig Ataxie.“ Für mich brach eine Welt zusammen. Ich stand kurz davor, mein Pferd noch vor Ort einschläfern zu lassen – denn auf was warten bei einer solchen Diagnose? Ein Telefonat mit meiner neuen Stallbesitzerin rettete Shelly das Leben: „Komm erstmal hierher, Tod ist schnell.“ Das war 2011. Endlich eine Spur Kurz darauf lernte ich durch die jährlichen Zahnbehandlungstermine im neuen Stall den Tierarzt Dr. Häberle aus Kaiserslautern kennen. Ich schilderte ihm meine Vermutung. Er hörte zu und röntgte. Endlich! Alle vorherigen Tierärzte lehnten ein Röntgen ab. Meine Einwände nahm keiner ernst und ich war noch zu jung und unerfahren um mich durchzusetzen. Das Röntgenbild vom Griffelbein wollte er mir nicht am Telefon erklären. Seine Worte: „Das müssen Sie sich ansehen.“ Also fuhr ich 1,5 Stunden. Die Ursache für die Lahmheit vorne links lag – wie vermutet – im alten Griffelbeinbruch hinten rechts. Mehr als eindeutig – das Knochenfragment hing schief ohne Verbindung im Gewebe und verursachte somit ständige Reizungen. Vier Jahre. Vier Jahre Schmerz. Vier Jahre im Kreis. Operation – und die Wahrheit über die „Ataxie“ Recht fix fuhren wir dann in die Pferdeklinik Iffezheim wo operiert und das Knochenfragment entfernt wurde. Da sie ohnehin in Narkose lag, ließ ich ein CT machen um die „eindeutige Ataxie“ zu klären. Ergebnis: Keine Ataxie Dafür: deutliche Arthrose in der Hüfte hinten links – als Folge jahrelanger Schonhaltung Die OP verlief gut und Shelly wurde anschließend schonend aufgebaut. Die Lahmheit/das Ticken war und blieb Geschichte. Was jedoch als Spätfolge blieb: ein passartiger Gang. Ein Kapitel, das endlich abgeschlossen werden konnte. Das war Anfang 2012. Das „Montagspferd“ Nund endlich gesund und alles gut? Nicht wirklich. Shelly war und blieb trotzdem mein „Montagspferd“. mysteriöse Infekte Sehnenschäden unerklärliche Stürze bei Verletzungen an den Hinterbeinen immer Reaktion mit Phlegmone Wir hatten bis 2020 kein Jahr in dem alles gut war. Mein Wendepunkt 2017 kam der nächste, große Einbruch. Fieber. Massiver Gewichtsverlust. Keine Diagnose. „Eindeutig Ataxie“ „Herzinsuffizienz – die verschwindet nie wieder“ (3 Tage später verschwunden) Ab da war klar: Ich muss selbst verstehen, was hier passiert. Ich begann, mich intensiv mit Pferdegesundheit auseinanderzusetzen. Fütterung, Haltung, Entscheidungen Ich stellte vieles um: kein klassisches Mineralfutter mehr Mineralisierung über Kräuter kein Hafer, keine Gerste Heu-, Esparsette- und später Grünhafercobs selektive Entwurmung keine Impfungen mehr nach einer heftigen Reaktion Nicht aus Prinzip. Sondern aus Erfahrung. Der Schlüssel lag (auch) im Huf Shelly stand zunehmend instabil auf ihren Hufen. Mit einem Duplo-Beschlag gelang der Durchbruch und Shelly wurde wieder insgesamt stabiler. Was blieb war jedoch ein Instabilität im Bewegungsapparat und das Hufe machen war ein reiner Kraftakt. Meinem Bauchgefühl folgend, dass die Ursache irgendwie in den Hufen liegt, machte ich mich auf die Suche nach einer/einem Hufbearbeiter/in welche/r auch Osteopath/in ist. Ende 2017 kam Christian in unser Leben. Hufbearbeiter und Osteopath. Ab da wurde es stetig besser. Mein Bauchgefühl, dass die Ursache in der Hufbearbeitung zu suchen ist, bestätigte sich. Barhufversuche scheiterten jedoch immer – Shelly reagierte immer am nächsten Tag mit Fieber. Kamen die Duplos wieder drauf verschwand das Fieber sofort. Bis heute haben wir dafür keine Erklärung. (2024 ließen wir die Hufe röntgen – die Bilder brachten keine Erkenntnis: die Hufe waren tiptop.) Neues Leben – neue Herausforderungen 2020 zogen wir (Christian und ich) zusammen – mit Pferden, Mulis und später weiterer Verstärkung. Kurz nach dem Umzug: Einschuss. Hohes Fieber. Kein Tierarzt wollte kommen. (Ich habe alle abtelefoniert. Wirklich alle. „Wir nehmen keine Neukunden.“) Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe: Das war jetzt das letzte mal. DAS passiert mir so nie wieder. Ich mache mich unabhängiger. Ungarn – und eine letzte große Prüfung 2024 wanderten wir nach Ungarn aus. Vor dem Transport stellte sich die Frage: Schaffen wir das mit Shelly? Eine Tierkommunikation später war klar: Sie will mit. Die Verladung war ein Albtraum. Mehrfach stürzte sie, die steile Rampe war sie fast nicht zu schaffen.. Christian hat sie letztlich in den LKW geschoben. Auf der Strecke dann der Anruf: Shelly ist gefallen. Sie kommt nicht mehr hoch. Ich rechnete mit allem doch sie kam an – die letzten 3 h ist sie liegend gefahren. Heute Und heute? Heute ist sie 28 und altersentsprechend stabil. Sie läuft alle 2–3 Tage mit uns in allen Gangarten am Fahrrad - am liebsten im Galopp da der Trap ihr nach wie vor am schwersten fällt. Schritt und Galopp gehen hervorragend 😉. Gerne steht sie auch mit allen vieren in der Luft. Die Duplos sind weg - Barhuf funktioniert. Der letzte Sehnenschaden war 2017, der letzte Einschuss 2020. Ihre Sarkoide sind weg. Die dicken, gefüllten Euter haben sich dauerhaft halbiert. Ja, ihre Hinterhand bleibt ein Thema. Ja, sie hat Arthrose (Hüfte hinten links und Sprunggelenk hinten rechts). Aber wir kommen mit entsprechendem Management gut damit zurecht. Sie ist stabil und immer noch die souveräne Leitstute. Uns ist bewusst dass die Lebensuhr tickt – so genießen wir jeden Tag mit ihr und sehen diese nicht als selbstverständlich. Was Shelly mich gelehrt hat Höre IMMER auf dein Bauchgefühl Verhalten hat Ursachen Nicht jede Diagnose ist richtig Bewegung ist durch nichts zu ersetzen Gesundheit ist kein linearer Weg Die Fütterung und somit der Stoffwechsel, eine optimale Hufbearbeitung sowie Bewegung ist der Schlüssel für eine lange, gesunde Pferdegesundheit. Die Art der Arbeit mit dem Pferd – pferdegerecht, fair, klar und liebevoll – der Schlüssel für eine schöne und gesunde Partnerschaft für beide Seiten. Nicht nur mit dem Pferd muss man arbeiten sondern auch oder vor allem an sich selbst. Und vielleicht das Wichtigste: Gib ein Pferd nicht auf, nur weil du noch nicht verstanden hast, was es dir sagen will. Happy Birthday, Shelly. ❤️ Unsere wichtigsten Begleiter und hiermit möchte ich von ganzem Herzen DANKE sagen (in chronologischer Reihenfolge genannt): - Janine M. – die uns den Weg raus aus der Box ermöglicht hat und uns immer mega unterstützt hat – samt der damaligen gesamten Stallgemeinschaft - Heike M. (Shellys erste Lebensretterin) – die uns in all den Jahren durch Höhen und Tiefen begleitet hat und uns egal mit was unterstützt hat - Dr. Michael Häberle (leider schon verstorben – ein großartiger Tierarzt und Pferdedentist) – der endlich meinem Bauchgefühl gefolgt ist und Shelly endlich half. Er war ein großartiger Pferdetier- und zahnarzt. - Charlotte M.- die mit ihrer wunderbaren Art Shelly von ganz von 0 an ausgebildet hat und mir jederzeit Mut zusprach. - Noelle und Ayleen mit Eltern – „meine“ wunderbaren Kinder – die Reitbeteiligungen von Shelly und Shy für jahrelange Liebe für diese beiden tollen Stuten. - Christian Kürzel – für einfach alles ❤️ - Sabine M. – für den wunderbaren Reitunterricht und das Abholen eines jeden auf seinem Stand - Anke und Ian Benson – für die Schulungen in Humanship und einem Lehren in pferdegerechtem Umgang und der Arbeit an sich selbst - Dr. Barbara Pfundt – für den wunderbaren Support, Austausch und die großartige Unterstützung - natürlich auch all den anderen Menschen die uns auf unserem Weg begleitet haben sowie meiner Familie für immer währenden Support.
- Kolloide - verständlich erklärt für Tierhalter
Was steckt dahinter und wann können sie sinnvoll sein? Was sind Kolloide überhaupt? Kolloide sind fein verteilte Mineralstoffe oder Spurenelemente, die in einer Flüssigkeit (meist Wasser oder Öl) vorliegen. Das Besondere: Die Teilchen sind extrem klein Sie bleiben in der Flüssigkeit „schwebend“ Sie haben eine sehr große Oberfläche im Verhältnis zur Menge ➡️ Dadurch verhalten sie sich anders als klassische Mineralfutter oder Ergänzungen. Wichtig:Ein Kolloid ist keine neue Substanz, sondern nur eine andere Form desselben Elements. Warum sind Mineralstoffe so wichtig? Mineralstoffe und Spurenelemente sind für Tiere (und Menschen) unverzichtbar: Stoffwechsel und Energiegewinnung Muskeln und Nerven Immunsystem Hormon- und Enzymfunktionen Der Körper kann sie nicht selbst herstellen – sie müssen zugeführt werden. Warum kann es trotzdem zu Problemen kommen? In der Praxis sieht man häufig: einseitige oder nicht bedarfsgerechte Fütterung belastete Böden --> dadurch Nährstoffmangel/Mineralstoffverschiebung in den Böden Stress, Krankheit oder erhöhte Leistung, "genetische" Disposition eingeschränkte Aufnahme über den Darm ➡️ Das bedeutet: Es geht oft nicht nur um „wie viel“, sondern auch um „wie gut kommt es im System an“. Was unterscheidet Kolloide von klassischem Mineralfutter oder Futtermittelergänzungen? Klassische Mineralstoffe: liegen meist in gebundener Form vor (z. B. als Verbindungen) müssen im Verdauungstrakt aufgespalten und aufgenommen werden (können) Kolloidale Mineralstoffe: liegen als fein verteilte Partikel vor benötigen keine klassische Verdauungsspaltung können laut Erfahrungsmedizin auch über Schleimhäute oder Haut aufgenommen werden ➡️ Der Unterschied liegt also vor allem in der Darreichungsform und dem Aufnahmeweg. Herstellungsverfahren – ein entscheidender Punkt Nicht jedes Kolloid ist gleich. Die Qualität hängt stark von der Herstellung ab. 1. Elektrolyse (klassisches Verfahren) Metall wird durch elektrischen Strom in Wasser gelöst es entstehen geladene Teilchen (Ionen) Typische Eigenschaften: technisch relativ einfach Partikelgröße und Stabilität können schwanken sehr reaktionsfreudig und deshalb nicht sehr stabil ➡️ Diese Form ist am weitesten verbreitet, aber nicht die stabilste. 2. Protonenresonanz elektro-physikalisches Verfahren das Ausgangsmaterial wird in sehr kleine, gleichmäßige Partikel überführt gezielte Steuerung von Größe und Ladung möglich Beschriebene Vorteile: sehr hohe Reinheit stabile Partikelstruktur welche lange erhalten bleibt gleichmäßigere Verteilung ➡️ besonders schonend und präzise Warum ist das wichtig für dich als Anwender? Qualität = nicht nur „was drin ist“, sondern wie es hergestellt wurde unterschiedliche Verfahren → unterschiedliche Eigenschaften Preisunterschiede erklären sich häufig genau daraus: Die erforderliche Dosierung eines im Protonenresonanzverfahren hergestellten Kolloids ist in der Regel deutlich geringer als bei einem Produkt aus dem Elektrolyseverfahren – wodurch sich der vermeintliche Preisunterschied erheblich relativiert. Wie werden Kolloide praktisch eingesetzt? Im Alltag (Mensch & Tier) werden Kolloide häufig genutzt: als Ergänzung zur Mineralstoffversorgung im Rahmen ganzheitlicher Konzepte zur Unterstützung bei besonderen Belastungen Mögliche Anwendungen: oral (über Schleimhäute) äußerlich (Haut) Augentropfen Inhalation ➡️ Wichtig: Es geht nicht um Ersatz von etwas, sondern um gezielte Ergänzung oder gezielten Einsatz. Was man realistisch dazu sagen muss Ein wichtiger Punkt – auch für dich als Tierhalter: Kolloide sind keine Wundermittel sie ersetzen keine Diagnose oder Therapie die Wirkung ist nicht einheitlich wissenschaftlich belegt vieles basiert auf Erfahrungswerten aus der Praxis ➡️ Das heißt: Sie können sinnvoll sein – müssen aber immer im Gesamtbild betrachtet werden. Wann kann ein Einsatz sinnvoll sein? Aus praktischer Sicht wird oft daran gedacht, wenn: Belastungssituationen vorliegen gezielt unterstützt werden soll ➡️ Entscheidend ist immer: Ursache verstehen – nicht nur etwas „dazugeben“. Wichtiger Hinweis Dieser Blogbeitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information. Es stellt keine tiermedizinische Beratung dar Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung Die Anwendung erfolgt in eigener Verantwortung Bei Erkrankungen sollte immer ein Tierarzt oder Therapeut hinzugezogen werden Fazit – kurz zusammengefasst Kolloide sind: eine besondere Darreichungsform von Mineralstoffen physikalisch anders aufgebaut als klassische Ergänzungen in der Praxis Teil ganzheitlicher Ansätze Ihre Stärke liegt vor allem in: der feinen Verteilung möglichen alternativen Aufnahmewegen der individuellen Einsetzbarkeit ➡️ Sie sind ein Werkzeug – kein Ersatz für Grundlagen wie Fütterung, Haltung und Diagnose. Übrigens: auch Proteine im Blut, Enzyme, Zellflüssigkeiten... sind Kolloide - denn Kolloid beschreibt einen "Zustand" --> nämlich fein verteilte Teilchen. Nicht gelöst wie ein Salz, nicht grob abgesetzt sondern stabil im System verteilt. Wer mehr Info sucht findet sie hier: https://naturbasis.de/product/kolloide-buch-jutta-mauermann-monoatomische-elemente/empfehlung/juliawerle * oder im persönlichen Gespräch mit mir. Kolloide, hergestellt im Protonenresonanzverfahren, sind hier erhältlich https://naturbasis.de/empfehlung/juliawerle* *Werbung (das ist ein Affiliate-Link der für Dich keine Mehrkosten verursacht. Wenn Du darüber bestellst, erhalte ich ggf. eine kleine Provision – damit unterstützt Du meine Arbeit und die Erstellung von fachlichen Inhalten.)
- Heulage - zwischen Heu und Silage
Heulage wird in der Pferdefütterung immer häufiger eingesetzt – oft aus praktischen Gründen oder weil staubfreies Raufutter benötigt wird. Gleichzeitig sorgt sie immer wieder für Unsicherheit. Um beurteilen zu können, ob Heulage für ein Pferd geeignet ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. ________________________________________ *Was ist Heulage?* Heulage ist konserviertes Gras, das nicht vollständig getrocknet wird wie Heu, sondern nur angewelkt. Anschließend wird es luftdicht verpackt. Durch den Sauerstoffabschluss kommt es zu einer milden Milchsäuregärung, die das Futter haltbar macht. Damit liegt Heulage in ihrer Herstellung und Zusammensetzung zwischen Heu und Silage. ________________________________________ *Wie wird Heulage hergestellt?* Für eine stabile, hygienische Heulage müssen mehrere Faktoren zusammenpassen: • Das Gras wird meist früher geschnitten als Heu. Es ist dadurch jünger, eiweiß- und zuckerreicher und weniger verholzt. • Nach dem Schnitt wird das Gras 24–48 Stunden angewelkt, bis etwa 45–60 % Trockenmasse erreicht sind. (Ist die Restfeuchte zu hoch, entsteht Silage; ist sie zu gering, kommt die Gärung zum Stillstand und das Schimmelrisiko steigt.) • Anschließend wird es stark gepresst, um den Sauerstoffgehalt zu minimieren, und mehrlagig luftdicht gewickelt. • In der geschlossenen Umgebung beginnen natürlich vorkommende Milchsäurebakterien, pflanzeneigene Zucker zu Milchsäure zu vergären. Der pH-Wert sinkt, was für die Selbstkonservierung des Futters entscheidend ist. • In bestimmten Situationen (z. B. zuckerarmes Gras, problematische Witterung oder suboptimaler Feuchtegehalt) werden zusätzlich Milchsäurebakterien aufgesprüht. 👉 Milchsäure wird nicht zugesetzt, sie entsteht im Gärprozess und gelangt mit der Heulage auch in den Verdauungstrakt des Pferdes. ________________________________________ *Häufige Fehler in der Praxis* Probleme entstehen meist durch Details in der Herstellung oder im Umgang: • zu feuchtes oder sehr junges Erntegut • Erde, Kot oder Tierkadaver im Gras • zu wenige Folienlagen oder beschädigte Wicklung (z. B. durch Vögel auf den Ballen, Katzen oder Marder, unsachgemäße Lagerung oder Transport) • zu lange Lagerung nach dem Öffnen des Ballens 👉 Heulage sollte nach dem Öffnen im Sommer innerhalb von 24–48 Stunden, im Winter innerhalb von maximal 2–4 Tagen verfüttert werden. Viele dieser Fehler sind nicht immer sichtbar oder riechbar, können aber die mikrobielle Qualität deutlich verschlechtern. ________________________________________ *Unterschied zu Heu* Heu wird vollständig getrocknet und nicht fermentiert. Es enthält keine Gärsäuren und ist in der Handhabung deutlich robuster. Heulage dagegen: • ist feuchter • enthält Gärprodukte • wird durch Gärung weicher und strukturell weniger wirksam – bei frühem Schnitt besonders ausgeprägt Das bedeutet: Zwei Futtermittel können auf dem Papier ähnliche Rohfaserwerte haben, wirken im Pferd jedoch sehr unterschiedlich. ________________________________________ *Was passiert im Verdauungssystem des Pferdes, wenn Heulage gefressen wird?* Kauen und Speichelbildung Heulage ist weicher und feuchter als Heu und wird daher meist weniger intensiv gekaut. Weniger Kauen bedeutet weniger Speichel – und damit weniger natürliche Pufferung. Speichel ist beim Pferd der wichtigste Schutz vor Säurebelastung, da er den Mageninhalt abmildert. Im Magen Der Pferdemagen arbeitet dauerhaft sauer. Mit Heulage gelangen zusätzlich Milchsäure und andere Gärprodukte in den Magen. Das kann die Säurebelastung erhöhen, insbesondere wenn Heulage: • nüchtern gefüttert wird • in großen Einzelmengen oder dauerhaft (z. B. 24/7) zur Verfügung steht Empfindliche Magenschleimhäute können dadurch schneller gereizt werden. Im Dünndarm Der Dünndarm ist für die enzymatische Verdauung ausgelegt, nicht für Gärprozesse. Gelangen größere Mengen an Gärsäuren oder leicht fermentierbaren Bestandteilen weiter, kann dies: • die Verdauung beschleunigen • Wasser in den Darm ziehen • zu weicherem Kot beitragen Im Blind- und Dickdarm Hier liegt der entscheidende Unterschied zu Heu. Heu wird im Dickdarm langsam und gleichmäßig fermentiert – die Darmflora ist auf diese Arbeitsweise ausgelegt. Heulage bringt bereits vorfermentierte Bestandteile mit. Dadurch kann es zu einer Verschiebung im Mikrobiom kommen: • faserabbauende Bakterien nehmen ab • milchsäurebildende Keime können zunehmen • der pH-Wert im Dickdarm kann sinken Mögliche Folgen sind: • Gasbildung • Kotwasser • Bauchspannung • eine schleichende Übersäuerung Bei längerer Belastung können auch Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse begünstigt werden. Pferde sind keine Wiederkäuer. Sie besitzen keinen vorgeschalteten Pansen, der Gärsäuren abfangen kann. Die Fermentation findet erst im Blind- und teilweise im Dickdarm statt. Dafür benötigen sie ausreichend Struktur – keine dauerhaft weichen, vorfermentierten Fasern. Zusätzlich birgt Heulage im Vergleich zu Heu ein deutlich höheres Botulismus-Risiko, da feuchte, sauerstoffarme Bedingungen im Ballen die Toxinbildung begünstigen, während trockenes, belüftetes Heu dieses Risiko nahezu ausschließt. ________________________________________ *Wie ist das mit Heulageproben aus dem Labor?* Heulageproben können sich verändern, wenn sie nach der Entnahme weiter Luft und Wärme ausgesetzt sind. Wichtig ist daher: • Proben luftdicht zu verpacken • möglichst gekühlt zu lagern • zügig zu versenden (nicht vor Wochenenden) Werden diese Punkte eingehalten, sind Laboranalysen aussagekräftig. Besonders empfindlich reagieren Zucker- und Gärsäurewerte, während Strukturparameter (z. B. NDF, ADF) stabil bleiben. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht primär im pH-Wert, sondern in: • Milchsäuregehalt • Essigsäure- und Buttersäureanteilen • Hefen und Keimen • Struktur (NDF, ADF, Lignin) • Fermentierbarkeit im Dickdarm 👉 Zwei Futtermittel mit gleichem pH-Wert können im Pferd völlig unterschiedlich wirken. ________________________________________ *Fazit* Heulage bringt Gärung ins Pferd, bevor das Pferd selbst fermentiert. Das Verdauungssystem kann damit umgehen, muss dafür jedoch deutlich mehr Anpassungsarbeit leisten als bei Heu – was insbesondere für stoffwechselbelastete Pferde relevant ist. Stoffwechselbelastungen zeigen sich häufig erst spät in Form von Erkrankungen oder Symptomen; bis dahin ist im Körper oft bereits viel aus dem Gleichgewicht geraten. Selbst nach dem Öffnen lässt sich die Qualität von Heulage meist nur optisch und geruchlich beurteilen, während kritische Parameter wie Gärsäuren, Keimzahlen oder Toxinrisiken dabei nicht zuverlässig erkennbar sind – im Gegensatz zu Heu, bei dem Verderb oder Schimmel in der Regel deutlich sichtbar wird. *Heu unterstützt die natürliche Verdauungsphysiologie des Pferdes.* *Heulage fordert sie.* ________________________________________ *P.S.: Die Wahl zwischen Pest und Cholera?* • 👉 Zwischen schlechtem Heu und guter Heulage ist Heulage die sicherere Wahl. • 👉 Zwischen gutem Heu und Heulage ist Heu immer überlegen. • 👉 Gutes Heu ist die Basis einer artgerechten Pferdefütterung und damit entscheidend für Gesunderhaltung und langfristige Stabilität.
- 🌿 Animera No. 1 & No. 2 – Mineralstoffversorgung neu gedacht
Wenn „eigentlich alles passt“ – und trotzdem nicht Viele Pferde wirken auf den ersten Blick gut versorgt: ausreichend Futter, Bewegung, Pflege. Und trotzdem zeigt sich immer wieder: sie sind nicht ganz belastbar sie haben „immer mal wieder etwas“ sie kommen nicht richtig in ihre Stabilität Oft fehlt der klare Ansatzpunkt. Ein Bereich, der dabei häufig übersehen wird:👉 die Mineralstoffversorgung. Mehr als nur „Versorgung“ Mineralstoffe sind an nahezu allen Prozessen im Körper beteiligt: Stoffwechsel Nerven Muskulatur Immunsystem Die Frage ist jedoch nicht nur: Was wird gefüttert? Sondern vielmehr:👉 Was kommt im Körper wirklich an? Ein anderer Ansatz mit Animera Animera No. 1 und No. 2 verfolgen bewusst einen anderen Weg. 👉 Während klassische Mineralfutter sich an berechneten Bedarfswerten orientieren, basiert Animera auf natürlichen, komplexen Nährstoffquellen. Dazu gehören u. a.: Heu als Trägerstoff Gräser wie Weizen- oder Gerstengras Moor Algen (Spirulina, Ascophyllum nodosum) Ackerschachtelhalm Beeren und Samen Diese liefern Mineralstoffe nicht isoliert, sondern eingebunden in natürliche Strukturen. Warum das entscheidend sein kann Gerade bei Pferden mit wiederkehrenden oder unklaren Themen zeigt sich häufig: 👉 Es fehlt nicht unbedingt an „Menge“ –sondern an Verwertbarkeit und Regulation . Natürliche Nährstoffquellen können hier unterstützen, weil sie dem entsprechen, was der Organismus ursprünglich kennt. 👉 Der Fokus liegt daher nicht auf einzelnen Werten, sondern auf der Frage: Wie stabil arbeitet das System insgesamt? Ein bewusster Umgang mit Mineralfutter Es geht nicht darum, synthetische Mineralstoffe grundsätzlich auszuschließen. Sie können sinnvoll sein – vor allem dann, wenn gezielt ein Mangel ausgeglichen werden muss. Gleichzeitig zeigt die Praxis: Viele Tiere erhalten dauerhaft standardisierte Mineralstoffgaben, ohne dass die individuelle Situation berücksichtigt wird. 👉 Genau hier setzt ein anderer Blickwinkel an: So viel wie nötig – aber so natürlich wie möglich. Wann Animera besonders sinnvoll sein kann bei Pferden mit „immer wieder etwas“ bei unspezifischen Stoffwechselthemen in Umstellungsphasen als Grundlage einer bewussten, natürlichen Fütterung Einfach in der Anwendung 👉 Animera kann problemlos auch als Leckerli gefüttert werden. Das macht die Umsetzung: unkompliziert stressfrei alltagstauglich Was sich verändern kann Mit der Zeit zeigt sich bei vielen Tieren: mehr Stabilität im Stoffwechsel bessere Belastbarkeit weniger „kleine Baustellen“ Nicht über Nacht –sondern Schritt für Schritt. 👉 Genau so entsteht nachhaltige Gesundheit. Fazit Animera ist kein „klassisches“ Mineralfutter im üblichen Sinne. 👉 Es ist ein Ansatz, der den Fokus verschiebt: weg von der reinen Versorgung – hin zur Unterstützung des gesamten Systems. Denn am Ende entscheidet nicht, was im Futter enthalten ist, sondern was der Körper daraus machen kann. 👉 Du möchtest wissen, ob Animera zu deinem Tier passt? Ich schaue mir die Situation individuell an und gebe dir eine ehrliche Einschätzung, ob und wie eine Unterstützung sinnvoll ist.
- PPID, (Pseudo-)Cushing oder Stoffwechselproblem?
Was du wirklich wissen solltest – eine leicht verständliche Kurzfassung Wenn Pferde Symptome wie hartnäckige Hufrehe, häufige Hufgeschwüre, langes Fell, Müdigkeit, Leistungsabfall oder unerklärlichen Muskelrückgang zeigen, fällt der Verdacht schnell auf „Cushing“. Meist wird dann der ACTH-Wert (Adrenocorticotropes Hormon) bestimmt – und nicht selten direkt Prascend empfohlen. Doch hinter diesen Symptomen steckt weit mehr, als ein einzelner Blutwert vermuten lässt. 1. Früher „Cushing“ – heute PPID. Was ist PPID eigentlich? Der Begriff „Cushing“ wurde früher aus der Humanmedizin übernommen, beschreibt beim Menschen jedoch ein ganz anderes Krankheitsbild: ein tatsächliches Cortisolüberschuss-Syndrom. Beim Pferd liegt jedoch kein typisches Cushing vor. Statt dauerhaft erhöhtem Cortisol findet man vielmehr eine Funktionsstörung der Pars intermedia in der Hirnanhangsdrüse. Genau das beschreibt der moderne Begriff PPID – Pituitary Pars Intermedia Dysfunction .PPID benennt also präzise den betroffenen Teil der Hypophyse und die dort entstehende Fehlregulation. Daher wird der Ausdruck „Cushing“ heute als ungenau angesehen und zunehmend durch die korrekte Bezeichnung PPID ersetzt – sowohl in der Wissenschaft als auch in der tierärztlichen Praxis. PPID entsteht, wenn ein Bereich der Hirnanhangsdrüse (Pars intermedia) zu viel ACTH produziert. Der Grund kann eine altersbedingte, neurodegenerative Veränderung (Dopaminverlust), Hyperplasie (Gewebevermehrung) oder ein gutartiger Tumor (Adenom, entartete Hyperplasie, selten!) sein. Wichtig zu wissen: Eine sichere Diagnose einer der 3 Gründe ist nur post mortem, also mittels Obduktion nach dem Tod möglich. Zu Lebzeiten kann man PPID nur vermuten , aber nicht 100 % beweisen. 2. Der ACTH-Wert – kein eindeutiger Test Fast jede wichtige Drüse, insbesondere die hormonproduzierenden Drüsen (endokrine Drüsen), sind durch Rückkopplungsmechanismen gesteuert. So registriert die Hypophyse beispielsweise den Cortisolgehalt und steuert somit die Ausschüttung des ACTH.→ Hypophyse misst Cortisol und reguliert die Produktion/Ausschüttung von ACTH→ Nebennierenrinde misst ACTH und reguliert die Produktion/Ausschüttung von Cortisol Liegt nun tatsächlich eine Gewebevermehrung/-veränderung an der Hypophyse vor, produziert dieses veränderte Gewebe ebenfalls ACTH, wird aber nicht über die körpereigene Rückkopplung reguliert (da die veränderten Zellen nichts „messen“) und schüttet dauerhaft weiter aus. Auch wenn dadurch vermehrt Cortisol aktiviert wird, konnte ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel im Blut bisher nicht nachgewiesen werden – lediglich die über den Tag natürlich auftretenden Cortisolspitzen häufen sich. Bei der häufigsten Form der PPID handelt es sich jedoch nicht um ein Tumorwachstum, sondern um neurodegenerative Veränderungen : Dabei gehen hemmende dopaminerge Nervenzellen verloren, sodass die Pars intermedia der Hypophyse zunehmend unkontrolliert arbeitet und überschießend ACTH freisetzt. Das ACTH schwankt natürlicherweise stark und die Hypophyse reagiert sensibel auf Stress. Der ACTH-Wert steigt z. B. an bei: Fellwechsel, zu langen Futterpausen, Schmerzen, Hitze oder Kälte, Störung der Thermoregulation, Stoffwechselstörungen, Magenproblemen, Überforderung bei der Arbeit, Aufregung (Tierarzt, Blutabnahme, Herde). Ein einzelner Wert kann deutlich zu hoch oder falsch normal sein. Deshalb gilt heute:👉 ACTH allein reicht nicht für eine PPID-Diagnose. 3. Pseudo-Cushing – der große Doppelgänger Die aktuelle Forschung zeigt klar:👉 Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen PPID und Stoffwechselproblemen. Viele Symptome, die wie PPID aussehen, entstehen durch Stoffwechselstörungen , z. B.: Insulinresistenz (IR), Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Übergewicht oder versteckter Körperfettanteil, zu lange Fresspausen, schlechtes Raufutter, Mykotoxine, Darmdysbiosen, Leber- und Nierenbelastung, chronische Schmerzen oder Stress. Diese Faktoren beeinflussen ACTH, Cortisol und die Funktion der Hypophyse. In vielen Fällen können PPID-ähnliche Symptome allein durch Stoffwechseltherapie verschwinden. 4. Prascend (Pergolid) – woher kommt es, was kann es und was nicht Prascend enthält den Wirkstoff Pergolid, einen Dopamin-Agonisten, der ursprünglich aus den Alkaloiden des Mutterkornpilzes gewonnen wurde. Mutterkorn ist historisch gut dokumentiert: Bereits im Mittelalter wurde beschrieben, dass mit Mutterkorn befallenes Getreide beim Menschen schwere Vergiftungen, Krämpfe sowie Wehen oder Fehlgeburten auslösen kann. Die pharmakologisch wirksamen Alkaloide wirken im Körper stark auf das Nervensystem ein – daher stammt auch der Name „Mutterkorn“. Pergolid wurde zunächst in der Humanmedizin zur Behandlung von Parkinson eingesetzt, da es dem Körper Dopamin vortäuschen kann – ein zentraler Botenstoff zwischen Nervenzellen, der unter anderem Bewegungsabläufe und emotionale Stabilität reguliert. Aufgrund schwerer Nebenwirkungen, darunter Herzklappenschäden, wurde Pergolid jedoch wieder vom Humanmarkt genommen. 2010 erhielt der Wirkstoff schließlich die Zulassung als Veterinärarzneimittel zur Behandlung von PPID beim Pferd. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch bis heute vergleichsweise dünn: Viele Studien sind klein, häufig unkontrolliert und erlauben keine eindeutigen Aussagen zu Langzeitwirkung, optimaler Dosierung oder dem tatsächlichen Nutzen im Verhältnis zu einer zuvor durchgeführten Stoffwechseltherapie. Aus diesem Grund gilt Pergolid als rein symptomatische, lebenslange (!) Behandlung, nicht als ursächliche Lösung. Ein Ausschleichen ist nur unter engmaschiger Kontrolle und in sehr kleinen Schritten möglich. Den offiziellen Beipackzettel findest du hier: https://www.vetmedica.de/prascend-07-2017.pdfx Prascend/Pergolid kann NICHT: PPID heilen, das veränderte Gewebe an der Hirnanhangdrüse zurückbilden, die neurodegenerativen Prozesse aufhalten oder ein Tumorwachstum stoppen – es kann die eigentliche Ursache also weder beseitigen noch beheben, sondern ausschließlich deren Folgen mildern. Nebenwirkungen kommen häufig vor: Appetitverlust, Apathie, Abmagerung, Unruhe. 5. Was die Studienlage sagt Zusammengefasst zeigen moderne Studien: PPID ist komplex und nicht vollständig verstanden. EMS/IR/Stoffwechsel und PPID hängen enger zusammen als früher gedacht. Diagnostik ist fehleranfällig und muss ganzheitlich betrachtet werden. Prascend wirkt Symptomüberdeckend, aber nicht bei jedem — und es heilt nicht. Stoffwechseltherapie ist immer erforderlich, egal ob PPID vorliegt oder nicht. Kurz: 👉 Man weiß heute mehr als früher – aber längst noch nicht alles. 6. Fazit – was bedeutet das für das Pferd? Viele Symptome, die wie Cushing bzw. PPID aussehen, können in Wahrheit Stoffwechselprobleme sein und/oder mechanische Ursachen haben wie bspw. eine nicht passende Hufstellung und somit Schmerzen bei jeder Bewegung. Auch die Hufe haben einen direkten Einfluß auf das Stoffwechselgeschehen! Ein einziger Blutwert wie ACTH reicht nicht aus, um PPID sicher festzustellen – auch nicht wenn er mehrmals in Folge genommen wird. Bevor man das Hormonsystem medikamentös beeinflusst, sollte man unbedingt erst die aktuelle Fütterung sowie das Management untersuchen und sinnvollerweise den Stoffwechsel gezielt unterstützen. Oft bessert sich die Symptomatik so stark , dass Medikamente nicht mehr nötig sind. Merke: mit Prascend-Gabe werden auch die Symptome wie Hufrehe oder ähnliches nicht geheilt. Sie befinden sich dann lediglich im „Schlummermodus“. Die dargestellten Inhalte basieren auf meinen Erfahrungen und naturheilkundlichen Ansätzen und dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Ich arbeite ergänzend zur Schulmedizin und empfehle bei akuten oder schwerwiegenden Beschwerden immer die Abklärung durch einen Tierarzt.
- Bierhefe beim Pferd – sinnvoll oder überflüssig?
👉 Saccharomyces cerevisiae in der Pferdefütterung erklärt Viele Pferdehalter stoßen früher oder später auf den Begriff Bierhefe fürs Pferd . Gemeint ist die Hefe Saccharomyces cerevisiae , die wir aus Backstube und Brauerei kennen. Doch: Brauchen Pferde wirklich Bierhefe für eine gesunde Verdauung – oder ist sie eher überbewertet? 👉 Was ist Bierhefe eigentlich? Saccharomyces cerevisiae kommt in zwei Formen vor: Aktive Hefe: Backhefe, Bäckerhefe Inaktive Hefe: Bierhefe, Nährhefe (durch starkes Erhitzen inaktiviert) Besonders die inaktive Bierhefe wird gern als Zusatzfutter für Pferde beworben – mit Versprechen rund um Verdauung, Nährstoffaufnahme und Fellglanz. Doch so einfach ist es nicht: Bei der thermischen Inaktivierung werden zwar die meisten Hefezellen abgetötet, aber ein Rest kann aktiv bleiben. Gleichzeitig zerstört die starke Erhitzung viele natürliche B-Vitamine. Deshalb wird Bierhefe im Anschluss industriell mit synthetischen Vitaminen angereichert. → Der Vitaminanteil stammt also nicht mehr aus ursprünglicher Quelle, sondern aus nachträglicher Zugabe. 👉 Warum die Darmgesundheit so entscheidend ist Der Darm ist das Zentrum der Pferdegesundheit: Er verarbeitet das Futter, spaltet es auf und macht Nährstoffe verfügbar. Gleichzeitig sitzt dort ein Großteil des Immunsystems. Stress, Antibiotika oder falsche Fütterung können dieses empfindliche Gleichgewicht kippen. Die Folge ist eine Dysbiose – eine gestörte Darmflora. Das kann weitreichende Konsequenzen haben: schlechtere Nährstoffaufnahme Entzündungen im Darm Übersäuerung Störung der Aminosäure-Biosynthese Störung der Regulierung von Entzündungsreaktionen im Darm Störung der enterischen Mikrobiota ( mehr dazu hier ) → dadurch geht die Kolonisierungsresistenz nützlicher Mikroben verloren, der Darm wird anfälliger für Entzündungen und die Vermehrung von Krankheitserregern. Langfristig können diese Prozesse zu Stoffwechselproblemen führen – bis hin zu Kolik, Hufrehe oder Allergien , um nur einige zu nennen. 👉 Kraftfutter, Stärke und ihre Folgen Das natürliche Fressverhalten des Pferdes ist klar: dauerhafte Aufnahme von rohfaserreicher Pflanzenkost . Steigt jedoch der Energiebedarf oder ist das Heu minderwertig, greifen viele Halter zu Getreide. Doch genau hier liegt das Problem: Stärke im Kraftfutter gelangt leicht unverdaut in den Dickdarm. Dort fördert sie sogenannte acidophile Bakterien wie Lactobacillus acidophilus . Diese senken den pH-Wert (→ Übersäuerung) und bremsen die Rohfaserverdauung. Die möglichen Folgen: Ungleichgewicht im Dickdarm (das Pferd ist ein Dickdarmverdauer!) Stoffwechselstörungen Funktionsstörungen von Leber und Niere mit entsprechenden Krankheitsbildern 👉 Was bringt Bierhefe in diesem Zusammenhang? Die Studienlage ist dünn und teilweise widersprüchlich. Trotzdem zeigen einzelne Ergebnisse: Bierhefe kann bei großen Mengen Kraftfutter die Stärkeverwertung verbessern. Sie wirkt dabei wie ein „Rottebeschleuniger“ und fördert die mikrobielle Aktivität. Sie unterstützt die Verdauung von Zellulose und Lignin . ⚠️ Problematisch wird es, wenn noch aktive Hefezellen enthalten sind: Unter Luftabschluss im Darm und mit dem dort natürlich vorhandenen Zucker können sie Alkohol und sogenannte Fuselalkohole bilden. Das führt zu Blähungen, Fehlgärungen und weiteren Verdauungsstörungen – ein zusätzlicher Risikofaktor für empfindliche Pferde. Aber: Bierhefe siedelt sich im Pferdedarm nicht dauerhaft an. Ihre positive Wirkung ist nur während der Fütterung von großer Menge Kraftfutter spürbar – ein nachhaltiger Aufbau der Darmflora gelingt nicht. An den negativen (Aus)Wirkungen hat man jedoch länger etwas. 👉 Vitamine in Bierhefe – ein oft missverstandenes Thema Vitamin B12 ist in Bierhefe nicht enthalten . Biotin (Vitamin B7) ist zwar vorhanden und kann Horn- und Fellqualität positiv beeinflussen – aber nur bei: langfristiger Gabe (3 mg pro 100 kg Körpergewicht und Tag), kombiniert mit schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin und Cystein. Andere B-Vitamine werden nach der Erhitzung synthetisch zugesetzt . Zur Übersicht, welche Vitamine und Nährstoffe natürlicherweise in Bierhefe vorkommen und wie sie auf die starke Erhitzung reagieren: 📊 Vitamine in Bierhefe nach Erhitzung Vitamin / Nährstoff In Bierhefe? Übersteht die Erhitzung? B1 (Thiamin) ✔️ ❌ (geht größtenteils verloren) B2 (Riboflavin) ✔️ ⚠️ (teils erhalten) B3 (Niacin) ✔️ ✔️ (stabil) B5 (Pantothensäure) ✔️ ⚠️ (teilweise verloren) B6 (Pyridoxin) ✔️ ❌ (sehr empfindlich) B7 (Biotin) ✔️ ✔️/⚠️ (relativ stabil, schwankend) B9 (Folsäure) ✔️ ❌ (geht größtenteils verloren) B12 (Cobalamin) ❌ – (nicht enthalten) Mineralstoffe ✔️ ✔️ (weitgehend stabil) 👉 Fazit: Bierhefe verliert durch Erhitzung vor allem die empfindlichen B-Vitamine (B1, B6, B9). Stabiler bleiben Biotin, Niacin und Mineralstoffe – vieles andere wird später synthetisch ergänzt. 👉 Artgerechte Fütterung statt Zusatzhefe Pferde, die rund um die Uhr Zugang zu hochwertigem Heu haben, brauchen weder große Mengen Kraftfutter noch Bierhefe. Kraftfutter ist nur dann nötig, wenn wirklich ein Energiedefizit vorliegt – z. B. bei Sportpferden mit hohem Leistungsbedarf. Dabei sollte man genau hinschauen: Nicht jedes Pferd kann Getreide gleich gut verstoffwechseln (hier spielt auch die Abstammung eine Rolle). Beispiel: Ein 600-kg-Pferd benötigt ca. 79 MJ verdauliche Energie pro Tag – 10 kg gutes Heu decken diesen Bedarf bereits.Als Richtwert gilt heute: 2–3 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht und Tag . Damit liegt der Heubedarf eines 600-kg-Pferdes zwischen 12 und 18 kg täglich – abhängig von Haltung, Arbeit und individueller Konstitution. ➡️ Daraus lässt sich schließen: Statt eine vermeintlich fehlende Energie über Kraftfutter auszugleichen, ist es oft sinnvoller und gesünder, den Heuanteil zu erhöhen – vorausgesetzt, die Heuqualität stimmt. 👉 Dauerfressen, Übergewicht und die Diätfalle Pferde, die trotz 24/7 Heu „nicht satt“ werden, haben oft ein Defizit : Nährstoffmangel, Stress oder Schmerzen. Übergewichtige Pferde profitieren nicht von Hungerkuren, sondern von Stoffwechselunterstützung und einer kritischen Analyse der Heuqualität (Zuckergehalt, Nährstoffdichte). Fressbremsen oder übermäßige Strohstreckung sind riskant: Sie belasten den Verdauungstrakt und erhöhen langfristig das Risiko für Magengeschwüre, Koliken, Rehe oder Allergien. Lesenswert: MDPI-Studie 2022 ✅ Fazit: Bierhefe & Kraftfutter beim Pferd ❌ Bierhefe ist kein Allheilmittel und eine Fütterung nicht empfehlenswert → verliert durch Erhitzung wichtige Vitamine → liefert keinen nachhaltigen Nutzen für die Darmflora → führt sogar zu Problemen (Fuselalkohole, Blähungen) ✅ Darmgesundheit ist der Schlüssel → intakte Mikrobiota produziert B-Vitamine selbst → Supplementierung wird dadurch überflüssig ✅ Natürliche B-Vitamin-Quellen nutzen → z. B. aus frischem Grünfutter, Kräutern, Keimlingen oder speziellen Mineralfuttern → statt künstlich angereicherter Bierhefe ⚠️ Kraftfutter nur mit Bedacht einsetzen → nur sinnvoll, wenn das Pferd tatsächlich hohe Leistung erbringt → immer abhängig vom Pferdetyp (leicht- oder schwerfuttrig, Sport- oder Freizeitpferd, Abstammung) → Auswahl des richtigen Kraftfutters ist entscheidend (Getreide ist nicht für jedes Pferd geeignet!) ➡️ Grundregel : Hochwertiges Heu rund um die Uhr ist die wichtigste Basis – 2–3 kg pro 100 kg Körpergewicht und Tag. → besser Heuanteil erhöhen , statt vorschnell zu Kraftfutter oder Bierhefe zu greifen. ✅ Do: Auf qualitativ gutes, langstieliges Heu & ausreichend Raufutter setzen – das ist die Grundvoraussetzung für einen gesunden Darm und die nötige Energieversorgung. ✨ Du hast Fragen zur Fütterung oder wünschst Dir eine individuelle Beratung für Dein Pferd? 👉 Gerne kannst Du Dich bei m ir melden und eine persönliche Futterberatung buchen.











