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Heulage - zwischen Heu und Silage

  • Autorenbild: Julia
    Julia
  • 16. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Braunes Pferd frisst Heu auf einer grünen Wiese. Im Hintergrund ist ein Holzzaun und eine weite, leicht bewölkte Landschaft zu sehen.

Heulage wird in der Pferdefütterung immer häufiger eingesetzt – oft aus praktischen Gründen oder weil staubfreies Raufutter benötigt wird. Gleichzeitig sorgt sie immer wieder

für Unsicherheit. Um beurteilen zu können, ob Heulage für ein Pferd geeignet ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

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*Was ist Heulage?*


Heulage ist konserviertes Gras, das nicht vollständig getrocknet wird wie Heu, sondern nur angewelkt. Anschließend wird es luftdicht verpackt.


Durch den Sauerstoffabschluss kommt es zu einer milden Milchsäuregärung, die das Futter haltbar macht. Damit liegt Heulage in ihrer Herstellung und Zusammensetzung zwischen Heu und Silage.

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*Wie wird Heulage hergestellt?*


Für eine stabile, hygienische Heulage müssen mehrere Faktoren zusammenpassen:


• Das Gras wird meist früher geschnitten als Heu. Es ist dadurch jünger, eiweiß- und zuckerreicher und weniger verholzt.

• Nach dem Schnitt wird das Gras 24–48 Stunden angewelkt, bis etwa 45–60 % Trockenmasse erreicht sind.

(Ist die Restfeuchte zu hoch, entsteht Silage; ist sie zu gering, kommt die Gärung zum Stillstand und das Schimmelrisiko steigt.)

• Anschließend wird es stark gepresst, um den Sauerstoffgehalt zu minimieren, und mehrlagig luftdicht gewickelt.

• In der geschlossenen Umgebung beginnen natürlich vorkommende Milchsäurebakterien, pflanzeneigene Zucker zu Milchsäure zu vergären. Der pH-Wert sinkt, was für die Selbstkonservierung des Futters entscheidend ist.

• In bestimmten Situationen (z. B. zuckerarmes Gras, problematische Witterung oder suboptimaler Feuchtegehalt) werden zusätzlich Milchsäurebakterien aufgesprüht.


👉 Milchsäure wird nicht zugesetzt, sie entsteht im Gärprozess und gelangt mit der Heulage auch in den Verdauungstrakt des Pferdes.

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*Häufige Fehler in der Praxis*


Probleme entstehen meist durch Details in der Herstellung oder im Umgang:


• zu feuchtes oder sehr junges Erntegut

• Erde, Kot oder Tierkadaver im Gras

• zu wenige Folienlagen oder beschädigte Wicklung

(z. B. durch Vögel auf den Ballen, Katzen oder Marder, unsachgemäße Lagerung oder Transport)

• zu lange Lagerung nach dem Öffnen des Ballens


👉 Heulage sollte nach dem Öffnen im Sommer innerhalb von 24–48 Stunden, im Winter innerhalb von maximal 2–4 Tagen verfüttert werden.


Viele dieser Fehler sind nicht immer sichtbar oder riechbar, können aber die mikrobielle Qualität deutlich verschlechtern.

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*Unterschied zu Heu*


Heu wird vollständig getrocknet und nicht fermentiert. Es enthält keine Gärsäuren und ist in der Handhabung deutlich robuster.


Heulage dagegen:

• ist feuchter

• enthält Gärprodukte

• wird durch Gärung weicher und strukturell weniger wirksam – bei frühem Schnitt besonders ausgeprägt


Das bedeutet: Zwei Futtermittel können auf dem Papier ähnliche Rohfaserwerte haben, wirken im Pferd jedoch sehr unterschiedlich.

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*Was passiert im Verdauungssystem des Pferdes, wenn Heulage gefressen wird?*


Kauen und Speichelbildung

Heulage ist weicher und feuchter als Heu und wird daher meist weniger intensiv gekaut. Weniger Kauen bedeutet weniger Speichel – und damit weniger natürliche Pufferung. Speichel ist beim Pferd der wichtigste Schutz vor Säurebelastung, da er den Mageninhalt abmildert.


Im Magen

Der Pferdemagen arbeitet dauerhaft sauer. Mit Heulage gelangen zusätzlich Milchsäure und andere Gärprodukte in den Magen. Das kann die Säurebelastung erhöhen, insbesondere wenn Heulage:

• nüchtern gefüttert wird

• in großen Einzelmengen oder dauerhaft (z. B. 24/7) zur Verfügung steht

Empfindliche Magenschleimhäute können dadurch schneller gereizt werden.


Im Dünndarm

Der Dünndarm ist für die enzymatische Verdauung ausgelegt, nicht für Gärprozesse. Gelangen größere Mengen an Gärsäuren oder leicht fermentierbaren Bestandteilen weiter, kann dies:

• die Verdauung beschleunigen

• Wasser in den Darm ziehen

• zu weicherem Kot beitragen


Im Blind- und Dickdarm

Hier liegt der entscheidende Unterschied zu Heu.

Heu wird im Dickdarm langsam und gleichmäßig fermentiert – die Darmflora ist auf diese Arbeitsweise ausgelegt.

Heulage bringt bereits vorfermentierte Bestandteile mit. Dadurch kann es zu einer Verschiebung im Mikrobiom kommen:

• faserabbauende Bakterien nehmen ab

• milchsäurebildende Keime können zunehmen

• der pH-Wert im Dickdarm kann sinken


Mögliche Folgen sind:

• Gasbildung

• Kotwasser

• Bauchspannung

• eine schleichende Übersäuerung


Bei längerer Belastung können auch Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse begünstigt werden.


Pferde sind keine Wiederkäuer. Sie besitzen keinen vorgeschalteten Pansen, der Gärsäuren abfangen kann. Die Fermentation findet erst im Blind- und teilweise im Dickdarm statt. Dafür benötigen sie ausreichend Struktur – keine dauerhaft weichen, vorfermentierten Fasern.


Zusätzlich birgt Heulage im Vergleich zu Heu ein deutlich höheres Botulismus-Risiko, da feuchte, sauerstoffarme Bedingungen im Ballen die Toxinbildung begünstigen, während trockenes, belüftetes Heu dieses Risiko nahezu ausschließt.

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*Wie ist das mit Heulageproben aus dem Labor?*


Heulageproben können sich verändern, wenn sie nach der Entnahme weiter Luft und Wärme ausgesetzt sind. Wichtig ist daher:

• Proben luftdicht zu verpacken

• möglichst gekühlt zu lagern

• zügig zu versenden (nicht vor Wochenenden)


Werden diese Punkte eingehalten, sind Laboranalysen aussagekräftig. Besonders empfindlich reagieren Zucker- und Gärsäurewerte, während Strukturparameter (z. B. NDF, ADF) stabil bleiben.


Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht primär im pH-Wert, sondern in:

• Milchsäuregehalt

• Essigsäure- und Buttersäureanteilen

• Hefen und Keimen

• Struktur (NDF, ADF, Lignin)

• Fermentierbarkeit im Dickdarm


👉 Zwei Futtermittel mit gleichem pH-Wert können im Pferd völlig unterschiedlich wirken.

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*Fazit*


Heulage bringt Gärung ins Pferd, bevor das Pferd selbst fermentiert.


Das Verdauungssystem kann damit umgehen, muss dafür jedoch deutlich mehr Anpassungsarbeit leisten als bei Heu – was insbesondere für stoffwechselbelastete Pferde relevant ist.


Stoffwechselbelastungen zeigen sich häufig erst spät in Form von Erkrankungen oder Symptomen; bis dahin ist im Körper oft bereits viel aus dem Gleichgewicht geraten.


Selbst nach dem Öffnen lässt sich die Qualität von Heulage meist nur optisch und geruchlich beurteilen, während kritische Parameter wie Gärsäuren, Keimzahlen oder Toxinrisiken dabei nicht zuverlässig erkennbar sind – im Gegensatz zu Heu, bei dem Verderb oder Schimmel in der Regel deutlich sichtbar wird.


*Heu unterstützt die natürliche Verdauungsphysiologie des Pferdes.*

*Heulage fordert sie.*

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*P.S.: Die Wahl zwischen Pest und Cholera?*

• 👉 Zwischen schlechtem Heu und guter Heulage ist Heulage die sicherere Wahl.

• 👉 Zwischen gutem Heu und Heulage ist Heu immer überlegen.

• 👉 Gutes Heu ist die Basis einer artgerechten Pferdefütterung und damit entscheidend für Gesunderhaltung und langfristige Stabilität.

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