🧬 Proteine – der Baustoff des Lebens
- Julia

- vor 3 Minuten
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Wenn über Pferdefütterung gesprochen wird, dreht es sich meist um Zucker, Stärke oder Mineralstoffe. Dabei gerät ein Nährstoff häufig in den Hintergrund: Protein.
💡 Kurz erklärt: Protein, Eiweiß und Aminosäuren
Protein und Eiweiß sind zwei Begriffe für dasselbe.
Jedes Protein besteht wiederum aus vielen einzelnen Aminosäuren.
Man kann sich das ein bisschen wie eine Perlenkette vorstellen:
Die einzelnen Perlen sind die Aminosäuren – die fertige Kette ist das Protein.
Nimmt das Pferd Protein über das Futter auf, wird dieses bei der Verdauung in kleinere Bestandteile bis hin zu einzelnen Aminosäuren zerlegt. Diese kann der Körper anschließend wieder neu zusammensetzen und daraus genau die Proteine bauen, die er gerade benötigt.
Deshalb ist nicht nur entscheidend, wie viel Protein ein Futtermittel enthält, sondern auch, aus welchen Aminosäuren dieses Protein besteht.
Fehlen bestimmte Aminosäuren, hat der Körper vielleicht genug „Eiweiß“ zur Verfügung – aber nicht unbedingt die richtigen Bausteine, um daraus das zu bauen, was er gerade braucht.
Proteine sind an nahezu jedem Vorgang im Körper beteiligt. Sie bilden Muskeln, Sehnen, Bänder, Haut, Hufe und Fell, sind Bestandteil von Enzymen, Hormonen und Antikörpern und ermöglichen unzählige Stoffwechselprozesse.
Kurz gesagt: Ohne Proteine wäre Leben nicht möglich.
🧩 Protein ist nicht gleich Protein
Einige Aminosäuren kann das Pferd selbst herstellen, andere müssen über das Futter zur Verfügung gestellt werden. In der Pferdefütterung wird dabei besonders häufig über Lysin, Methionin und Threonin gesprochen, weil sie bei der Proteinversorgung limitierend sein können.
Das bedeutet für mich aber ausdrücklich nicht, dass diese Aminosäuren deshalb einzeln zugefüttert werden sollten.
Der Körper benötigt Aminosäuren nicht isoliert, sondern in einem sinnvollen Verhältnis zueinander. Fehlt ein Baustein, kann der Körper das vorhandene Eiweiß nicht optimal für den Aufbau körpereigener Proteine nutzen. Gleichzeitig ist mit der isolierten Gabe einzelner Aminosäuren nicht automatisch eine bessere Proteinversorgung erreicht.
Mein Ansatz ist deshalb ein anderer: Ich möchte dem Pferd hochwertiges Protein über natürliche Futtermittel zur Verfügung stellen und damit ein möglichst vollständiges Aminosäurespektrum anbieten – statt einzelne Aminosäuren herauszugreifen und gezielt zu supplementieren.
Deshalb sagt auch ein hoher Rohproteingehalt allein noch lange nichts darüber aus, wie gut ein Pferd tatsächlich mit verwertbarem Protein versorgt ist.
🌱 Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle
Auch beim Thema Protein lohnt sich wieder ein Blick auf den Darm.
Im Dickdarm des Pferdes leben unzählige Mikroorganismen. Sie verwerten Bestandteile des Futters und bilden im Rahmen ihrer Stoffwechselprozesse unter anderem auch Aminosäuren und mikrobielles Protein.
Wie viel davon dem Pferd tatsächlich als Aminosäurequelle zur Verfügung steht, ist allerdings begrenzt, da diese Prozesse überwiegend im Dickdarm stattfinden.
Somit wird auch hier einmal mehr deutlich, welche enorme Bedeutung eine intakte Darmflora für die Verdauung, Nährstoffverwertung und den gesamten Organismus besitzt.
Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann sich das auf viele Stoffwechselprozesse auswirken – und damit auch darauf, wie gut der Organismus mit den zugeführten Nährstoffen umgehen kann.
Aus meiner Sicht ist das einer der Gründe, warum ich bei chronischen Erkrankungen immer auch den Darm mit betrachte.
🌾 Warum Protein heute immer häufiger zum Thema wird
In meinem Blogartikel „Heu ist nicht gleich Heu“ habe ich bereits beschrieben, wie sehr sich unser Grundfutter verändert hat.
Viele heutige Heuwiesen bestehen überwiegend aus ertragsstarken Gräsern. Kräuter und Leguminosen sind deutlich seltener geworden. Gleichzeitig können ungünstige bzw. sehr späte Schnittzeitpunkte dazu führen, dass Proteingehalt und Verdaulichkeit des Futters sinken.
Das bedeutet nicht automatisch, dass unser Heu schlecht ist.
Es bedeutet aber, dass die Versorgung mit hochwertigem Protein bei manchen Pferden durchaus zum limitierenden Faktor werden kann.
🐴 Woran erkennt man einen Proteinmangel?
Ein Proteinmangel entwickelt sich meist schleichend und ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.
Mögliche Hinweise können sein:
Muskelabbau – besonders an Rücken und Kruppe
schlechter Muskelaufbau trotz Training
schlechte Hufqualität
stumpfes Fell
verzögerter oder schlechter Fellwechsel
schwaches Bindegewebe
verlangsamte Wundheilung
reduzierte Leistungsfähigkeit
Natürlich können all diese Symptome auch viele andere Ursachen haben und sollten deshalb immer im Gesamtbild betrachtet werden.
🦶 Warum Methionin für Hufe so wichtig ist
Eine besondere Rolle spielt Methionin.
Methionin ist eine schwefelhaltige Aminosäure und spielt unter anderem für schwefelhaltige Strukturen im Keratin eine wichtige Rolle – und Keratin ist wiederum ein wesentlicher Baustoff von Hufhorn und Haaren.
Gerade bei Pferden mit schlechter Hornqualität lohnt sich deshalb häufig ein genauer Blick auf die gesamte Eiweiß- und Aminosäurenversorgung – und nicht nur auf Biotin.
Das bedeutet jedoch auch hier nicht, dass ich Methionin isoliert zufüttern würde. Vielmehr möchte ich wissen: Wie sieht die gesamte Proteinversorgung dieses Pferdes aus? Was liefert das Grundfutter? Und wo könnte tatsächlich etwas fehlen?
🌿 Muss jetzt jedes Pferd zusätzlich Protein bekommen?
Ganz klar: Nein.
Bekommen Pferde ein qualitativ gutes Grundfutter – und damit meine ich in erster Linie gutes Heu und das 24/7 – können sie ihren Bedarf häufig bereits darüber ausreichend decken.
Interessant wird das Thema dort, wo die Proteinqualität des Grundfutters nicht ausreicht, die Gesamtversorgung knapp wird oder der Bedarf steigt – beispielsweise bei Jungpferden, Zuchtstuten, Senioren oder Pferden im Muskelaufbau.
Jedes Pferd bringt andere Voraussetzungen mit.
🌱 Warum ich natürliche Proteinquellen bevorzuge
Wenn ich eine Ergänzung für sinnvoll halte, greife ich möglichst auf natürliche Proteinquellen zurück.
Besonders bewährt haben sich für mich:
Esparsette
Grünhafer
Sie liefern nicht nur Protein, sondern ein natürliches Spektrum verschiedener Aminosäuren und gleichzeitig viele weitere Nähr- und Begleitstoffe.
Ich füttere dabei bewusst keine einzelnen Aminosäuren wie Lysin, Methionin oder Threonin zu.
Mein Ziel ist nicht, einzelne vermeintlich fehlende Bausteine herauszugreifen, sondern dem Organismus über natürliche Futtermittel ein möglichst breites Aminosäurespektrum zur Verfügung zu stellen.
Fütterung bedeutet für mich nicht, einen einzelnen Nährstoff isoliert zu betrachten. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel.
Mein Ziel ist es, die Qualität des vorhandenen Grundfutters dort sinnvoll zu ergänzen, wo es tatsächlich notwendig ist.
🧐 Mythos oder Wahrheit?
❌ Mythos: Ein hoher Rohproteingehalt bedeutet automatisch eine gute Eiweißversorgung.➡️ Nein. Entscheidend sind unter anderem die Zusammensetzung der Aminosäuren, ihre Verdaulichkeit und ihre Verfügbarkeit für das Pferd.
❌ Mythos: Protein wird nur für den Muskelaufbau benötigt.➡️ Tatsächlich wird Protein für nahezu jedes Gewebe und unzählige Vorgänge im Körper benötigt – von Haut und Hufen über Enzyme und Hormone bis hin zum Immunsystem.
❌ Mythos: Jedes Pferd braucht zusätzliches Eiweiß.➡️ Nein. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Grundfutter, Alter, Bedarf, Gesundheitszustand und natürlich vom einzelnen Pferd ab.
❌ Mythos: Wenn Lysin, Methionin oder Threonin wichtig sind, sollte man sie einfach einzeln zufüttern.➡️ So einfach ist es nicht. Aminosäuren wirken nicht unabhängig voneinander. Für mich steht deshalb die Versorgung mit hochwertigem Protein und einem möglichst natürlichen Aminosäurespektrum im Vordergrund – nicht die isolierte Gabe einzelner Aminosäuren.
❌ Mythos: Biotin allein sorgt für gute Hufe.➡️ Auch das ist zu kurz gedacht. Für gesundes Hufhorn braucht der Körper nicht nur Biotin, sondern auch die entsprechenden Baustoffe – darunter schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin. Deshalb sollte bei schlechter Hufqualität immer die gesamte Versorgung betrachtet werden.
✨ Fazit
Proteine gehören zu den wichtigsten Bausteinen des Pferdekörpers.
Entscheidend ist dabei nicht einfach nur die Menge, sondern vor allem die Qualität und Verwertbarkeit.
Hochwertiges Grundfutter und eine gesunde Darmflora bilden die Basis für Muskulatur, Haut, Fell, Hufe und einen funktionierenden Stoffwechsel.
Deshalb betrachte ich Protein nie isoliert.
Ich schaue zuerst auf das Grundfutter, den Darm und den individuellen Bedarf des Pferdes.
Wenn eine Ergänzung notwendig ist, bevorzuge ich natürliche Proteinquellen, die dem Körper nicht nur einzelne Aminosäuren, sondern ein möglichst breites Spektrum an Bausteinen zur Verfügung stellen.
Für mich geht es nicht darum, möglichst viele einzelne Nährstoffe in ein Pferd hineinzubekommen.
Es geht darum, dem Körper die Voraussetzungen zu geben, mit denen er selbst möglichst gut arbeiten kann.




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