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Erfahrungsbericht: Schwere Druckverletzung mit Nekrosen und Madenbefall beim Pferd

  • Autorenbild: Julia
    Julia
  • 7. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Juli

⚠️ Hinweis: Dieser Beitrag enthält Bilder (ganz unten) einer schweren Wundverletzung. Sie dienen ausschließlich der Dokumentation des Heilungsverlaufs und können auf manche Menschen verstörend wirken.


Die Besitzerin des Pferdes hat der Veröffentlichung des Erfahrungsberichts sowie der dazugehörigen Bilder ausdrücklich und schriftlich zugestimmt. Ihr Name darf und soll genannt werden.


Im Mai 2026 durfte ich die Stute von Romy Reisse bei der Versorgung einer außergewöhnlich schweren Wunde begleiten. Bei der Patientin handelt es sich um ein Tschechisches Kaltblut.


Nach einem langen Transport von Deutschland nach Ungarn am 17.04.2026 entwickelte die Stute im Bereich der Pobacke und der Schweifrübe eine massive Druckverletzung. Das Gewebe war nekrotisch, in der Schweifrübe entstand ein tiefes Loch im Gewebe und es kam zu Madenbefall.

Die Wunde wurde zunächst tierärztlich versorgt und sah im weiteren Verlauf erst einmal gut aus. Die Wunden schienen sauber abzuheilen.


Am 12.05.2026 erhielt ich jedoch Bilder der Schweifrübe, die mich sofort alarmierten: Im neu gebildeten Gewebe beziehungsweise darunter waren erneut Maden zu erkennen. Wir sind daraufhin direkt zur Stute gefahren, haben die Wunde gereinigt und die Maden entfernt. Erst nachdem wir die Schweifhaare im betroffenen Bereich kurz geschnitten hatten, wurde das tatsächliche Ausmaß der weiterführenden Verletzung sichtbar. Im weiteren Verlauf hielten wir die Haare in diesem Bereich konsequent kurz, damit die Wunde jederzeit vollständig beurteilt und versorgt werden konnte.


Bereits zu Beginn fiel der extreme Wundgeruch auf. Die Wunde roch erbärmlich – ein Geruch, den ich noch lange in der Nase hatte. Mit jeder gründlichen Wundversorgung nahm dieser Gestank jedoch Stück für Stück ab. Von Tag zu Tag war eine deutliche Verbesserung wahrnehmbar und Ende Mai war der unangenehme Geruch nahezu vollständig verschwunden.


Während der kritischen Phase wurde die Temperatur zweimal täglich kontrolliert, um mögliche Hinweise auf eine systemische Infektion frühzeitig zu erkennen.


Unsere Wundversorgung

Zu Beginn wurde die Wunde zwei mal täglich versorgt.


Der erste Schritt bestand darin, die gesamte Wunde großzügig mit 3%igem WPO (Wasserstoffperoxid) einzusprühen. Entscheidend war dabei nicht eine bestimmte Milliliterzahl, sondern die Schaumbildung.


Wenn das WPO beim Aufsprühen sofort stark schäumte – vergleichbar mit Löschschaum oder Sprühsahne –, bedeutete das für uns: Hier ist noch viel Material vorhanden, mit dem das WPO reagiert. Deshalb wurde nicht nur einmal gesprüht, sondern ausreichend und wiederholt.


Das Vorgehen war:

Wunde vollständig mit WPO einsprühen, kurz warten, erneut sprühen, wieder warten und diesen Vorgang so oft wiederholen, bis es beim erneuten Aufsprühen fast nicht mehr aufschäumte.


Gerade dieser Punkt war aus meiner Sicht entscheidend. Zu Beginn wurden pro Versorgung etwa 250 ml WPO benötigt. Aufgrund der Größe der Wunde und der starken Schaumbildung lief der Schaum teilweise regelrecht vom Schweif herunter.

Erst wenn die Schaumbildung deutlich nachließ, wurde die Wunde mit lauwarmem Wasser abgewaschen. Danach wurde sie großzügig mit einer 50:50-Mischung aus DMSO und kolloidalem Silber gespült beziehungsweise nachgespült. Auch hiervon wurden anfangs etwa 250 ml pro Versorgung verwendet. Anschließend wurde die Wunde verbunden.


In den ersten 10 Tagen etwa war ich täglich 1 x vor Ort, danach hat Romy die Wundversorgung selbst übernommen und ich habe nur hin und wieder unterstützt sowie den Heilungsverlauf überprüft.


Das tatsächliche Ausmaß zeigte sich erst im Verlauf

Mit der Zeit wurde deutlich, dass die Verletzung wesentlich tiefer reichte als zunächst angenommen.


Auf der Innenseite der Schweifrübe trat Wundflüssigkeit aus. Später zeigte sich auch auf der Außenseite Flüssigkeitsaustritt. Dadurch wurde sichtbar, dass der betroffene Schweifabschnitt im Inneren nahezu vollständig zerstört war. Der Abschnitt war mehr oder weniger fleischlos und schien nur noch über die äußere Haut zusammenzuhalten.

Im weiteren Verlauf löste sich die abgestorbene Oberhaut nach und nach ab. Sie konnte Stück für Stück entfernt werden, da sie bereits abgestorben war.


Trotz des zunächst dramatischen Befundes heilte die Wunde sauber und kontinuierlich von innen nach außen ab.


Granulationsgewebe – nicht immer ein Grund zur Sorge

Während der Heilungsphase bildete sich zunächst reichlich Granulationsgewebe, umgangssprachlich oft als „wildes Fleisch“ bezeichnet. Dieser Anblick kann im ersten Moment verunsichern oder sogar erschrecken.


Meine Erfahrung bestätigte sich auch in diesem Fall: Der Körper bildet zunächst schnell und viel neues Gewebe. Dieses Gewebe wirkt anfangs oft grob, wulstig oder „wild“. Innerhalb kurzer Zeit wird es jedoch weiter umgebaut und in stabileres, kräftiges und gesundes Gewebe integriert.


Auch bei dieser Stute ließ sich sehr schön beobachten, wie zunächst viel Granulationsgewebe entstand und sich dieses anschließend Tag für Tag in sauberes, belastbares Wundgewebe umwandelte.


Wichtig war aus meiner Sicht, die komplette Wunde wirklich gründlich mit 3%igem WPO zu versorgen. In diesem Fall galt für uns: lieber großzügig arbeiten als zu sparsam. Bei dieser Stute konnten wir während der gesamten Behandlungszeit keinerlei unerwünschte Reaktionen beobachten. Auch das umliegende gesunde Gewebe zeigte aus unserer Beobachtung keine erkennbare Beeinträchtigung.


Die Stute hat während der Versorgungen nicht einmal mit der Wimper gezuckt und unglaublich artig mitgemacht – auch wenn ihr die ganze Prozedur irgendwann verständlicherweise ziemlich auf den Keks ging.


Ein praktischer Nebeneffekt zeigte sich außerdem beim Verbandswechsel: Festgeklebte Wundauflagen ließen sich nach dem Einsprühen mit WPO deutlich leichter und gewebeschonender lösen.


Ab Mitte Juni: Versorgung reduziert

Ab etwa Anfang/Mitte Juni war die kritische Phase überstanden. Ab diesem Zeitpunkt reichte es aus, die Wunde nur noch einmal täglich zu versorgen. Nun ging es vor allem darum, die weitere Gewebebildung nicht unnötig zu stören und dem Körper die Möglichkeit zu geben, den Heilungsprozess in Ruhe fortzuführen.


Das Ergebnis

Um den 20.06.2026 herum war die gesamte Wunde verschlossen und mit gesundem, neuem Gewebe versehen.


Rückblickend waren für mich mehrere Punkte entscheidend: das schnelle Reagieren beim erneuten Madenbefall, das konsequente Kurzhalten der Haare, die regelmäßige Temperaturkontrolle, die sehr gründliche Wundreinigung und die konsequente Versorgung der gesamten Wundfläche.


Dieser Fall hat wieder einmal gezeigt, wie beeindruckend der Körper heilen kann, wenn abgestorbenes Gewebe entfernt wird, die Wunde sauber gehalten wird und gesundes Gewebe die Möglichkeit bekommt, sich von innen nach außen neu aufzubauen.


Dieser Bericht beschreibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen bei diesem individuellen Fall. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei tiefen Wunden, Nekrosen, Fieber, starkem Wundgeruch, Schwellung, Schmerzen oder Madenbefall sollte immer umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden.


Bild 1: Wunde vor der Versorgung am 12.05.26 - der rosige Bereich ist die alte, versorgte und verheilte Wunde, darunter die neue Stelle. Die weißen "Stippen" sind Maden.

Bild 2: Wunde nach der Versorgung am 12.05.26

Bild 3: 14.05.26

Bild 4: 18.05.26

Bild 5 + 6: 23.05.26

Bild 7 + 8: 27.05.26

Bild 9+10: 29.05.26

Bild 11/12/13 : 03.06.26 - was man nicht sehen kann: wenn man den Schweif anfasste hatte man das Gefühl, dass der untere Teil nicht wirklich verbunden ist mit dem oberen Teil und wirkte im gesamten "instabil".

Bild 14: 05.06.26

Bild 15/16/17 : 08.06.26

Bild 18/19/20 : 20.06.26

ab Bild 21 : 25.06.26 - ab hier konnte nun endlich auf den Verband verzichtet werden :-)


 
 
 

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