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Shelly – 28 Jahre gelebte Geschichte – oder Shelly – mein Montagspferd

  • Autorenbild: Julia
    Julia
  • 2. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Heute ist ein besonderer Tag. 😊Meine Shelly – geboren am 02.05.1998 – wird 28 Jahre alt.


Wenn ich auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicke, dann ist das keine „klassische“ Pferdegeschichte. Es ist eine Geschichte voller Umwege, Zweifel, Bauchgefühl – und einer Stute, die mich mehr gelehrt hat als jedes Buch.


Der Anfang – und das erste Bauchgefühl

Ich habe Shelly achtjährig angeritten gekauft. Die AKU war ohne Befund. Bekannt war lediglich ein alter Griffelbeinbruch hinten rechts außen, der nicht operiert werden musste, sowie eine Durchtrittigkeit hinten.

Ihr Gebäude war nie „einfach“ – ein massiver Brustkorb, insgesamt kein Pferd, das es einem in der Ausbildung leicht macht. Und doch war klar: DAS ist MEIN Pferd.

Zunächst war alles gut - bis sie vorne links zu ticken und während des Reitens zu bocken und steigen begann.


Vier Jahre Suche – ohne Antwort

Was folgte, kennen viele: Tierarzt zu Tierarzt, Untersuchung um Untersuchung, Therapie um Therapie.

Ohne klare Diagnose, ohne irgendeine Verbesserung.

Ich habe immer wieder auf das alte Griffelbein hinten rechts hingewiesen. Die Antwort war immer dieselbe:

„Das kann nicht davon kommen.“

Hinten lahmte sie ja nicht. Es war nichts dick. Also wurde weiter vorne gesucht.

In dieser Zeit wechselten wir von klassischer Haltung (Box mit Koppelgang) in einen Offenstall im Saarland. Für mich bedeutete das: nur noch am Wochenende hinfahren. Für die Pferde bedeutete es: mehr Bewegung, mehr Pferd sein.

Shelly wurde wieder stabiler und somit entschied ich mich auf Anraten der Tierärzte für einen Beritt. Sie müsse „mal richtig rangenommen werden“ und „mal richtig geritten werden“ und „ihr die Flausen aus dem Kopf treiben“…


Wenn Verhalten fehlinterpretiert wird

Auch dort lief alles „klassisch“. Ausbinder, weil sie nie „Vorwärts – Abwärts“ wollte.

Shelly bockte viel. Nach etwa sechs Wochen habe ich abgebrochen.

Mir war klar: hier passt was nicht. Das passt einfach nicht zu Shelly. Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.


Die Diagnose, die alles verändert hätte

Auf dem Weg in unseren neuen Stall, ein neu eröffneter Aktivstall in meiner Heimat,  machten wir Halt bei einem renommierten Tierarzt.

Diagnose: „Eindeutig Ataxie.“

Für mich brach eine Welt zusammen.

Ich stand kurz davor, mein Pferd noch vor Ort einschläfern zu lassen – denn auf was warten bei einer solchen Diagnose?

Ein Telefonat mit meiner neuen Stallbesitzerin rettete Shelly das Leben: „Komm erstmal hierher, Tod ist schnell.“ Das war 2011.


Endlich eine Spur

Kurz darauf lernte ich durch die jährlichen Zahnbehandlungstermine im neuen Stall den Tierarzt Dr. Häberle aus Kaiserslautern kennen. Ich schilderte ihm meine Vermutung.

Er hörte zu und röntgte. Endlich! Alle vorherigen Tierärzte lehnten ein Röntgen ab. Meine Einwände nahm keiner ernst und ich war noch zu jung und unerfahren um mich durchzusetzen.

Das Röntgenbild vom Griffelbein wollte er mir nicht am Telefon erklären.

Seine Worte: „Das müssen Sie sich ansehen.“ Also fuhr ich 1,5 Stunden.

Die Ursache für die Lahmheit vorne links lag – wie vermutet – im alten Griffelbeinbruch hinten rechts. Mehr als eindeutig – das Knochenfragment hing schief ohne Verbindung im Gewebe und verursachte somit ständige Reizungen.

Vier Jahre. Vier Jahre Schmerz. Vier Jahre im Kreis.


Operation – und die Wahrheit über die „Ataxie“

Recht fix fuhren wir dann in die Pferdeklinik Iffezheim wo operiert und das Knochenfragment entfernt wurde.

Da sie ohnehin in Narkose lag, ließ ich ein CT machen um die „eindeutige Ataxie“ zu klären.

Ergebnis:

  • Keine Ataxie 

  • Dafür: deutliche Arthrose in der Hüfte hinten links – als Folge jahrelanger Schonhaltung

Die OP verlief gut und Shelly wurde anschließend schonend aufgebaut. Die Lahmheit/das Ticken war und blieb Geschichte.

Was jedoch als Spätfolge blieb: ein passartiger Gang.

Ein Kapitel, das endlich abgeschlossen werden konnte. Das war Anfang 2012.


Das „Montagspferd“

Nund endlich gesund und alles gut? Nicht wirklich.

Shelly war und blieb trotzdem mein „Montagspferd“.

  • mysteriöse Infekte

  • Sehnenschäden

  • unerklärliche Stürze

  • bei Verletzungen an den Hinterbeinen immer Reaktion mit Phlegmone

Wir hatten bis 2020 kein Jahr in dem alles gut war.


Mein Wendepunkt

2017 kam der nächste, große Einbruch.

Fieber. Massiver Gewichtsverlust. Keine Diagnose.

  • „Eindeutig Ataxie“

  • „Herzinsuffizienz – die verschwindet nie wieder“ (3 Tage später verschwunden)

Ab da war klar: Ich muss selbst verstehen, was hier passiert.

Ich begann, mich intensiv mit Pferdegesundheit auseinanderzusetzen.

Fütterung, Haltung, Entscheidungen

Ich stellte vieles um:

  • kein klassisches Mineralfutter mehr

  • Mineralisierung über Kräuter

  • kein Hafer, keine Gerste

  • Heu-, Esparsette- und später Grünhafercobs

  • selektive Entwurmung

  • keine Impfungen mehr nach einer heftigen Reaktion

Nicht aus Prinzip. Sondern aus Erfahrung.


Der Schlüssel lag (auch) im Huf

Shelly stand zunehmend instabil auf ihren Hufen. Mit einem Duplo-Beschlag gelang der Durchbruch und Shelly wurde wieder insgesamt stabiler. Was blieb war jedoch ein Instabilität im Bewegungsapparat und das Hufe machen war ein reiner Kraftakt.

Meinem Bauchgefühl folgend, dass die Ursache irgendwie in den Hufen liegt, machte ich mich auf die Suche nach einer/einem Hufbearbeiter/in welche/r auch Osteopath/in ist.

Ende 2017 kam Christian in unser Leben. Hufbearbeiter und Osteopath.

Ab da wurde es stetig besser. Mein Bauchgefühl, dass die Ursache in der Hufbearbeitung zu suchen ist, bestätigte sich.

Barhufversuche scheiterten jedoch immer – Shelly reagierte immer am nächsten Tag mit Fieber. Kamen die Duplos wieder drauf verschwand das Fieber sofort. Bis heute haben wir dafür keine Erklärung. (2024 ließen wir die Hufe röntgen – die Bilder brachten keine Erkenntnis: die Hufe waren tiptop.)


Neues Leben – neue Herausforderungen

2020 zogen wir (Christian und ich) zusammen – mit Pferden, Mulis und später weiterer Verstärkung.

Kurz nach dem Umzug: Einschuss. Hohes Fieber. Kein Tierarzt wollte kommen. (Ich habe alle abtelefoniert. Wirklich alle. „Wir nehmen keine Neukunden.“)

Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe: Das war jetzt das letzte mal. DAS passiert mir so nie wieder. Ich mache mich unabhängiger.


Ungarn – und eine letzte große Prüfung

2024 wanderten wir nach Ungarn aus.

Vor dem Transport stellte sich die Frage: Schaffen wir das mit Shelly?

Eine Tierkommunikation später war klar: Sie will mit.

Die Verladung war ein Albtraum. Mehrfach stürzte sie, die steile Rampe war sie fast nicht zu schaffen..

Christian hat sie letztlich in den LKW geschoben.

Auf der Strecke dann der Anruf: Shelly ist gefallen. Sie kommt nicht mehr hoch.

Ich rechnete mit allem doch sie kam an – die letzten 3 h ist sie liegend gefahren.


Heute

Und heute?

Heute ist sie 28 und altersentsprechend stabil.

Sie läuft alle 2–3 Tage mit uns in allen Gangarten am Fahrrad - am liebsten im Galopp da der Trap ihr nach wie vor am schwersten fällt. Schritt und Galopp gehen hervorragend 😉. Gerne steht sie auch mit allen vieren in der Luft.

Die Duplos sind weg - Barhuf funktioniert. Der letzte Sehnenschaden war 2017, der letzte Einschuss 2020. Ihre Sarkoide sind weg. Die dicken, gefüllten Euter haben sich dauerhaft halbiert.

Ja, ihre Hinterhand bleibt ein Thema. Ja, sie hat Arthrose (Hüfte hinten links und Sprunggelenk hinten rechts).

Aber wir kommen mit entsprechendem Management gut damit zurecht. Sie ist stabil und immer noch die souveräne Leitstute.

Uns ist bewusst dass die Lebensuhr tickt – so genießen wir jeden Tag mit ihr und sehen diese nicht als selbstverständlich.


Was Shelly mich gelehrt hat

  • Höre IMMER auf dein Bauchgefühl

  • Verhalten hat Ursachen

  • Nicht jede Diagnose ist richtig

  • Bewegung ist durch nichts zu ersetzen

  • Gesundheit ist kein linearer Weg

  • Die Fütterung und somit der Stoffwechsel, eine optimale Hufbearbeitung sowie Bewegung ist der Schlüssel für eine lange, gesunde Pferdegesundheit.

  • Die Art der Arbeit mit dem Pferd – pferdegerecht, fair, klar und liebevoll – der Schlüssel für eine schöne und gesunde Partnerschaft für beide Seiten.

  • Nicht nur mit dem Pferd muss man arbeiten sondern auch oder vor allem an sich selbst.

Und vielleicht das Wichtigste:

Gib ein Pferd nicht auf, nur weil du noch nicht verstanden hast, was es dir sagen will.


Happy Birthday, Shelly. ❤️

 

Unsere wichtigsten Begleiter und hiermit möchte ich von ganzem Herzen DANKE sagen (in chronologischer Reihenfolge genannt):

-      Janine M. – die uns den Weg raus aus der Box ermöglicht hat und uns immer mega unterstützt hat – samt der damaligen gesamten Stallgemeinschaft

-      Heike M. (Shellys erste Lebensretterin) – die uns in all den Jahren durch Höhen und Tiefen begleitet hat und uns egal mit was unterstützt hat

-      Dr. Michael Häberle (leider schon verstorben – ein großartiger Tierarzt und Pferdedentist) – der endlich meinem Bauchgefühl gefolgt ist und Shelly endlich half. Er war ein großartiger Pferdetier- und zahnarzt.

-      Charlotte M.- die mit ihrer wunderbaren Art Shelly von ganz von 0 an ausgebildet hat und mir jederzeit Mut zusprach.

-      Noelle und Ayleen mit Eltern – „meine“ wunderbaren Kinder – die Reitbeteiligungen von Shelly und Shy für jahrelange Liebe für diese beiden tollen Stuten.

-      Christian Kürzel – für einfach alles ❤️

-      Sabine M. – für den wunderbaren Reitunterricht und das Abholen eines jeden auf seinem Stand

-      Anke und Ian Benson – für die Schulungen in Humanship und einem Lehren in pferdegerechtem Umgang und der Arbeit an sich selbst

-      Dr. Barbara Pfundt – für den wunderbaren Support, Austausch und die großartige Unterstützung

-   natürlich auch all den anderen Menschen die uns auf unserem Weg begleitet haben sowie meiner Familie für immer währenden Support.

 

 
 
 

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